Weise Sprüche in Holzschnittoptik, erstarrte Niagarafälle, rührend verkleidete Haustiere, koloriert und appliziert, auf rauem Karton oder als aufwändiges „Wackelbild“: kein Thema blieb der Ansichtskarte seit ihrer massenhaften Verbreitung um 1875 erspart. So manche Sammlung im Schuhkarton entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ergiebige Fundgrube und volkstümliche Enzyklopädie.
Ostergrüße:
Aus vorchristlicher Glaubenstradition übernommen, spricht das Ei als Symbol für sich selbst. In den Schöpfungsmythen ganz verschiedener Völker, die weit voneinander entfernt leben, taucht immer wieder das Ei als der Körper auf, der vor allem Leben war und aus dem das lebendige Sein oder auch nur ein Teil von ihm, etwa eine Gottheit oder die Menschen, entstanden sind. Für die Christen wurde es zum Sinnbild der Auferstehung Christi. Dass es zu Ostern eine so große Rolle spielt, hat praktische Gründe. Nach dem Winter gab es viele Eier, doch durften sie in der vor-österlichen Fastenzeit nicht gegessen werden. Das verzierte Ei wurde so zum Geschenk als Minne-, Freundschafts- oder Verehrungsgabe. Die hier abgebildeten beiden deftig-augen- zwinkernden Varianten gewähren neben Interieurstudien, wie gründerzeitlicher Sessel und geblümtes Kaffeeservice, auch Einblicke in die Gefühlslage der kugelig-runden „Ordensschwestern“ und die spezielle Psychodynamik einer Kükenfamilie aus dem Estland der 1940er- Jahre.