Einmal im Jahr ist es den Narren erlaubt, die Regentschaft über die weltlichen Ämter auszuüben und zu zeigen, wie das Volk selbst zu regieren versteht. Dabei darf es ungestraft kunterbunt drunter und drüber gehen, wie postalische Belegstücke zeigen …
Unter Karnevalsforschern geht man inzwischen davon aus, dass Fastnachts-Narreteien nicht, wie vielfach angenommen, heidnischen, sondern christlichen Ursprungs sind. Die Annahme „jahrtausendealter“ Sitten wurde durch den Nachweis entkräftet, dass die Fastnachtsbräuche allgemein erst nach der Mitte des 13. Jahrhunderts aufkamen. Und doch hält sich immer noch die seit dem 19. Jahrhundert vertretene Auffassung, das Fastnachtswesen stehe mit Fruchtbarkeitszauber, Dämonenriten und Ahnenkult, Winteraustreibung und Frühlingsanfang in Verbindung. Dabei wird gerne übersehen, dass die Fastnacht seit Jahrhunderten in die Kalenderreihe der offiziellen religiösen Handlungen einbezogen war. Im Fasching von heute sind alte Traditionen, Bräuche und Requisiten aus vielen Ländern zu einer bunten Mischung verschmolzen, die uns erlaubt, Spaß und Freude zu genießen. Der Ursprung der Fastnachtsspiele reicht bis ins Mittelalter zurück. Es waren Schauspiele in der Art von Schwänken, die aus Frühlingsriten entstanden sind und in derb scherzhafter Weise Szenen aus dem Alltag spielten. Mit ihrem unverhohlen frechen, schadenfrohen, eingängigen Stil, mit Verulkung von unbeliebten Personen und in Verbindung mit Umzügen erfreuen sie sich bis auf den heutigen Tag großer Beliebtheit.
Wertvolle Privatpostkarten
Die traditionsreichen Volksbräuche haben schon seit über 100 Jahren Spuren hinterlassen, die von eifrigen Sammlern zusammengetragen werden. Gerade in Kartenform stellen sie oftmals höchst attraktive Souvenirs der „fünften Jahreszeitt“ dar. Wenn man die Preise sieht, die manche dieser Stücke heutzutage kosten, dann wird schnell klar, dass es sich dabei durchaus um eine ernsthafte Sache handeln kann! In die Zeit der frühen Privatpost zurück führt etwa ein dekorativ illustrierter „Schützen-Gruß zum Maskenball des Männer-Turnvereins Stuttgart im Königsbau“ am Samstag, 27. Februar 1897. Die Frankatur der Zwei-Pfennig-Marke, zusammen mit einer weiteren Karte des Turnvereins Berg, wurde bei einer Feuser-Auktion von 50 auf 65 Euro gesteigert. Im Angebot des Ganzsachen-Spezialisten Christoph Gärtner entdeckt man eine württembergische Privatganzsache PP11 zu fünf Pfennig von 1898 zum „Concordia Maskenball Cannstatt“, mit rückseitiger Abbildung der Karnevalsfeier und Drehorgel für 250 Euro.
Eine weitere Privatpostkarte PP 11 C 45 mit Palmen, Beduinen und Pyramiden sendete einen „Gruss aus Kairo an der Rohrach“ zur Fastnacht 1900, sauber gestempelt von Geislingen an der Steige. Hanspeter Frech erwähnt in seinem Privatpostkarten- Katalog weitere seltene Exemplare mit närrischen Motiven aus Württemberg. Mit Wertstempeln zu drei und zu fünf Pfennig erschien zum 30. Januar 1897 ein Sujet des Klimperkastens Stuttgart, der zum „Klimperkasten-Ball: Im Wald und auf der Heide“ lud. Die mehrfarbige horizontale Darstellung ohne Urhebervermerk zeigt eine Tischgesellschaft neben dem Zeltlager. Die Mittwochsgesellschaft zu Feuerbach veranstaltete laut Karteneinladung mit Zudruck eines kostümierten Paares am 4. Februar 1899 ihren Maskenball. Und die Stuttgarter Liederkranz-Redoute ließ auf ihrer mehrfarbigen Erinnerungskarte den Ballsaal mit kostümiertem Publikum lithografisch in Szene setzen (signiert K. Fuchs, Urhebervermerk Wildt, Greiner & Pfeiffer).