(…) Wie haben Sie diese spezielle Tryptichon-Form für sich entdeckt? Ich machte zuerst Politikkarikaturen. Dann hat die taz für ihre Satireseite einen neuen Zeichner gesucht, der einen Comicstreifen macht. Ich habe mir das Layout angeguckt und überlegt, mit wie vielen Bildern ich arbeiten kann, dann sind es drei Bilder geworden. Im ersten Bild muss der Leser verstehen, um was es geht, im zweiten wird die Situation kurz „hochgekocht“ und im dritten muss dann die Pointe kommen. Die beste Zeichnung nützt nichts, wenn der Witz nicht rüberkommt.
Sie haben immer wiederkehrende Figuren in Ihren Cartoons. Da ich ja sechsmal in der Woche einen Comicstreifen liefern muss, wollte ich nicht mit einer festen Figur arbeiten, sondern mit eher wechselndem Personal. Wenn ein Witz mit einer Figur gut gelungen ist, greift man sie wieder auf und schon hat man eine Serie.
Hat die Situationskomik in Ihren Cartoons ein Vorbild im realen Leben oder sind das eher Erfindungen? Sowohl als auch. Man muss als Zeichner natürlich sehr offen durch die Welt gehen. Ich gucke Fernsehen, lese viel, höre auf Gesprächsfetzen, ich habe so ein Sammelsurium an Material und irgendwann macht’s dann vielleicht “klick”.
Wie kamen Sie auf die Post-Oma, mittlerweile eine Kultfigur? Entstanden ist die Post-Oma in den 80er-Jahren, als es noch die guten alten Postschalter mit der bruchsicheren Trennscheibe gab. Besonders spannend war das in Berlin, mit Postämtern, die zum Teil noch 20 Schalter hatten, aber nach den ersten Kürzungen waren nur noch drei, vier davon offen. Weil ich damals meine Arbeiten per Post verschickt habe, hatte ich einige skurrile Erlebnisse. Einmal habe ich die Schlange gewechselt, um mich hinter eine Punkerin zu stellen, weil ich dachte, bei der wird es nicht lange dauern. Die hat sich aber sämtliche Sondermarken zeigen lassen. Ein anderes Mal hat der Postbeamte plötzlich den Schalter zugemacht und ist weggegangen und man stand und stand. Die Berliner sind ja sehr schnell mit der Zunge. Sofort gab es Gemeckere in der Reihe, gerade von älteren Damen, so entstand die Post-Oma.
Haben Sie keine Angst, dass Ihnen die Ideen ausgehen? Bei der Post-Oma fällt mir eigentlich immer etwas ein. Denn der Postbeamte und die Oma sind ja schon ein altes Pärchen, die haben eine lange gemeinsame Geschichte und sind in Hassliebe miteinander verbunden. Wie Dick und Doof spielen sie sich gegenseitig die Bälle zu. Das ist ein klassisches Comedy-Element und ich habe auch Running gags eingebaut. Die Oma hat schon Spinnweben vom langen Warten, und der Postbeamte nickt immer wieder mal ein.