„In Münzen oder in Briefmarken…“ Über den Geldwert von Postwertzeichen – vor dem Sammeln Andreas Hahn
Auf dem Frühstückstisch meiner Kindheit stand eine Dose mit Kakaopulver, auf der Werbung für Sammelbilder gemacht wurde (Fußballer? Rennautos? Weltwunder? – ehrlich gesagt: ich weiß es nicht mehr…). Zum fachgerechten Sammeln dieser bunten Bilder benötigte man natürlich das passende Sammelalbum, das man problemlos beim Hersteller des Kakaopulvers bestellen konnte. Dazu sollte ein kleiner DM-Betrag überwiesen oder aber der Einfachheit halber in Briefmarken in einem Umschlag an die Firma geschickt werden. Dieses heute etwas altmodisch wirkende Verfahren war bis in die jüngere Vergangenheit durchaus üblich, wenn kleinere und insbesondere „krumme“ Geldbeträge schnell und unkompliziert den Besitzer wechseln sollten. Firmen konnten die Briefmarken nach dem Empfang dann zur Frankierung ihrer Geschäftspost verwenden und als Einnahme verrechnen, und der Absender vermied in den Zeiten vor dem schnellen Online-Banking ein oft langwieriges beziehungsweise gebührenpflichtiges Bankgeschäft. Sogar der „Rücktausch“ von Briefmarken in Bargeld war ehemals möglich und machte die Briefmarken so zu einem vollwertigen und fast universellen Zahlungsmittel. (…)