(…) An diese nur auf den ersten Blick etwas „artfremde“ Nutzung von Briefmarken werden sich die meisten Leser sicherlich noch erinnern, auch wenn das Bewusstsein für die „Geld-Gleichheit“ von Briefmarken (ganz losgelöst von einem eventuellen Sammlerwert) langsam zu schwinden scheint. Dabei war doch den Verantwortlichen von Beginn der Einführung der Briefmarken an bewusst, dass im Prinzip an die kleinen „Postwertzeichen“ die gleichen hohen Anforderungen bezüglich der Fälschungssicherheit zu stellen seien wie an Geldscheine oder Münzen. Als man sich 1839 in England mit der Einführung von Briefmarken befasste, war die Fälschungssicherheit ein wichtiges Thema. Man wählte spezielles Papier mit einem eingearbeiteten Seidenfaden oder einem speziellen Wasserzeichen zum Druck, man experimentierte mit speziellen Druckverfahren, wie sie auch beim Geldschein- oder Aktiendruck zur Anwendung kamen, und nicht zuletzt wurden die Markenmotive im Hinblick auf Fälschungssicherheit ausgewählt. Das Haupt der Queen Victoria als Markenmotiv wurde unter anderem deshalb anderen Darstellungen wie etwa dem königlichen Wappen vorgezogen, weil man hoffte, dass Fälschungen mit kleinsten Abweichungen bei einem bekannten Antlitz auch Laien schneller auffallen und man Fälschungen so schnell entdecken würde. Eine zentrale Rolle spielte jedoch die Drucktechnik. Der Drucker Charles F. Whiting beteiligte sich mit zahlreichen Entwürfen an einem vom britischen Schatzamt ausgeschriebenen Wettbewerb, mit dem die Gestaltung der ersten Briefmarke ermittelt werden sollte.