„Der Schwarzwald geht wie warme Semmeln“ Ein Besuch beim Ansichtskartenhersteller Jürgen Bräunlein
„Bei einem Eisenbahnunglück sucht der Franzose eine Frauenbekanntschaft. Der Engländer lässt sich in seiner Zeitungslektüre nicht stören und ein Deutscher schreibt Ansichtskarten – notfalls noch im Himmel“, frotzelte Thomas Theodor Heine (1867–1948), Mitarbeiter der legendären Satire-Zeitschrift Simplicissimus, zu Beginn des 20. Jahrhunderts. 100 Jahre später sieht der Nationalitätenvergleich ein wenig anders aus. Engländer, aber auch Holländer, schreiben um ein Vielfaches häufiger Ansichtskarten als die Deutschen, Spitzenreiter weltweit sind die Amerikaner. Sagt Wolfgang Hesse. Und der muss es wissen, ist er doch Geschäftsführer des Lübecker Schöning-Verlags, dem mit Abstand größten Postkartenhersteller Deutschlands. Jede zweite Ansichtskarte, die zwischen Sylt und Garmisch-Partenkirchen gekauft wird, ist von Schöning produziert. Das Firmenmotto lautet zeitlos kokett: „Reisen Sie mit uns durch ganz Deutschland. Seit 1925 arbeiten wir daran, das Land von seiner schönsten Seite zu zeigen.“ (…)