(…) Als der Verlag gegründet wurde, bestand das Stammsortiment ausschließlich aus Ansichtskarten. Die Umsätze wuchsen schnell, dabei hatte die Ansichtskarte, das erste illustrative Massenmedium überhaupt, ihre goldene Ära zu diesem Zeitpunkt bereits hinter sich. Ihre Geschichte begann inoffiziell 1865, als Heinrich von Stephan, damals Geheimer Postrat beim preußischen Generalpostamt, einen revolutionären Einfall hatte. „Die jetzige Briefform“, so stellte er fest, „gewährt für eine erhebliche Anzahl von Mitteilungen nicht die genügende Einfachheit und Kürze.“ Als Alternative entwickelte er ein „Postblatt“. Es hat „die Dimension eines gewöhnlichen Briefcouverts größerer Art und besteht aus steifem Papier. Die Vorderseite würde vorne als Überschrift die Benennung des Postbezirks und eine entsprechende Vignette (Landeswappen) tragen, links einen markierten Rand zum Abdruck des Postaufgabestempels, rechts die Postfreimarke, gleich in das Formular eingestempelt. […] Dann ein Raum für die Adresse mit dem Vermerk ‚An’ […], sowie die vorgedruckte Notiz: ‚Die Rückseite kann zu schriftlichen Mitteilungen jeder Art benutzt werden‚ […]“. Stephans Vorschlag wurde als „unmoralisch und beleidigend“ verworfen. Ein Verstoß gegen das Postgeheimnis! Das geschriebene Wort, das versendet wurde, sollte auch weiterhin in einem Umschlag verborgen bleiben. Man fürchtete, dass Unbefugte aus dem Umkreis des Empfängers (Dienstboten!) die Mitteilung lesen könnten. So kam es, dass nicht die Deutschen, sondern die Österreicher die Postkarte in Europa einführten. Am 22. September 1869 wurde in Wien die erste „Correspondenz-Karte“ abgeschickt, eine offene Postkarte ohne Bild und mit eingedruckter Briefmarke. Die Vorderseite der Karte war für die Anschrift, die Rückseite für schriftliche Mitteilungen reserviert. Ähnlich wie bei einem Telegramm war die Anzahl der Worte zunächst begrenzt. 1870 führte auch die Postverwaltung des Norddeutschen Bundes, zeitgleich mit Baden, Württemberg und Bayern, die „Correspondenz-Karte“ ein.