(…) Der Gruß bleibt, doch das Handschriftliche und das Objekthafte verschwinden. Was früher in Kisten noch jahrelang verwahrt werden konnte, wird heute oft schnell gelöscht, um neuen Speicherplatz zu schaffen. Und falls es doch gespeichert werden soll, so bleibt die Frage nach der am besten geeigneten Archivierungsform. Der große Unterschied zu den klassischen Post- oder Ansichtskarte ist ohne Frage, dass nun nicht mehr Papier oder Pappe Trägermaterialien sind, sondern die Grüße werden mittels digitaler Medien erzeugt und zudem elektronisch via Funk oder Kabel versendet: Dies gilt gleichermaßen für E-Cards, SMS oder MMS. Der Koblenzer Germanist Hajo Diekmannshenke behandelt in einem 2002 erschienenen Aufsatz über Postkarten einzig die E-Card als digitale Nachfolgeform der Postkarte. Er stellt fest, dass vieles, was für die „traditionelle“ Postkarte gilt, auch für ihr elektronisches Pendant Geltung habe: „Die Auswahl des Bildmotivs erfolgt in Hinblick auf den Adressaten, die Textrealisation geschieht in enger Verknüpfung mit dem jeweiligen Bildinhalt, wobei auch hier das Grüßen als kommunikatives Mittel zur Pflege einer sozialen Beziehung im Vordergrund steht.“ Er findet jedoch auch mehrere Unterschiede: „Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht in der teilweisen oder vollständigen Aufhebung des traditionellen Postkartenformats beziehungsweise deren gattungskonstitutiver Beidseitigkeit. Zwar wird meistens das Postkartenformat wenigstens virtuell erhalten, indem dem Betrachter am Bildschirm eine solche Karte vorgegaukelt wird.