(…) Auch die Bandbreite der Motive deckt ein beachtliches Spektrum ab. Aus Neapel kam das unvermeidliche „O sole mio“. Von der Karte mit dem Foto des Berliner Funkturms an der Masurenallee erklingt die Melodie „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“, und das Heidelberger Schloss liefert auf dem Plattenteller das Studentenlied „Alt-Heidelberg du Feine“. Auch in der DDR gab es Bildpostkarten mit Musik, die Colorvox-Karten. So erklang von einem Motiv aus Oberhof im Thüringer Wald das Lied „Auf der Oberhofer Höh“. In den Jahren 1960 bis 1965 stellte die ungarische Schallplattenfabrik Offsetnyomoda in Budapest Bildschallplatten oder Colorvox für den Vertrieb in der DDR her. Herausgeber war der Verlag des Kunstfonds Budapest. Der damalige Verkaufpreis der klangvollen Karten betrug in der DDR zwei Mark und in Ungarn zwölf Forint. Die Firma RFT (Radio- und Fernsehtechnik) nutzte sie zu Werbezwecken und ließ RFT-Bildschallplatten zur Leipziger Messe ausgeben. Die Karten tatsächlich als Postkarten zu verschicken, hieß in den meisten Fällen, sie damit als Tonträger zu vernichten. Denn beim Empfänger kamen die Schallbildkarten selten unversehrt an. Heute werden Schallfolien nicht mehr hergestellt, sind aber begehrte Sammelobjekte. Obwohl schon 1903 erfunden, ist dieses Bild-Ton-Medium heute nur noch wenigen bekannt. Die erste bekannte Referenz bezieht sich auf eine Werbung in der deutschen Zeitschrift Phonografische Zeitschrift von 1903, in der die Zonophone GmbH, Berlin, mit einer epochalen Erfindung warb, der „sprechenden, singenden und musizierenden Ansichts-Postkarte“. Im Oktober 1904 wurden Patente sowohl in Frankreich als auch in Deutschland angemeldet. Der Berliner Max Thomas, ein Hersteller von Tonaufzeichnungsmaschinen, erhielt ein deutsches Patent auf die Phonogrammkarte, welches er 1905 auf Großbritannien erweiterte. Seine Postkarte sollte Menschen ermöglichen, mit selbst aufgenommenem Ton zu kommunizieren.