(…) Die Karte wanderte sicherlich im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis durch viele Hände. Sie wurde Teil – wenn nicht sogar Ikone – der Familienerinnerung. Darüber hinaus verrät uns das gute Stück noch mehr. Der Kaiser weilte am 30. Mai 1912 in Brandenburg anlässlich der Feierlichkeiten zum 500-jährigen Jubiläum des Einzugs der Hohenzollern in die Mark Brandenburg. Zwischen der Aufnahme des Fotos und dem Verschicken der Postkarte am 6. Juni lag die beeindruckend kurze Zeit von nur sechs Tagen. Der Fotograf ist unbekannt. Hergestellt wurde die Karte im Verlag S. & G. Saulsohn, Berlin. Die Karte ist für unsere Sammlung von Interesse, ich greife zum Hörer. Wann erstmals eine Ansichtskarte in die Sammlung des 1872 gegründeten Reichspostmuseums aufgenommen wurde, ist bisher noch nicht bekannt. Die Transkription und Auswertung der zum Glück überlieferten historischen Inventarbücher steht noch ganz am Anfang. Auch steht die Erfassung der zirka 250 000 Ansichtskarten der Museumsstiftung nicht im Zentrum der derzeitigen Inventarisierung, die sich auf die Fotosammlung konzentriert. Die 1870 von Heinrich von Stephan bei der Post eingeführten Correspondenz-Karten, die bald schon Postkarten hießen und deren Existenz die Entstehung der Ansichtskarte ermöglichte, gehörten dagegen nachgewiesen zu den ersten Sammlungsobjekten des ältesten Postmuseums der Welt. „Brief und Postkarte! Hier schlägt das Herz des Philatelisten (schreckliches Wort!) höher“, schrieb 1884 der Publizist Ferdinand Hennicke in Westermanns Illustrierten Deutschen Monatsheften über seinen Rundgang durch das Postmuseum im Reichs-Postamt, „denn welcher Gedanke liegt näher, als daß das Postmuseum auf diesem Lieblingsgebiete von Männlein und Weiblein, von jung und alt Mustergültigstes in reichster Fülle aufzuweisen haben werde!“