Museen und Vereine arbeiten vielerorts Hand in Hand. Es gibt Vereine, die Museen initiieren
und Museen, die gezielt Vereine gründen, damit sie als Fördervereine ergänzende Aufgaben
übernehmen wie zum Beispiel Ehrenamtliche betreuen, Shops organisieren, spenden
akquirieren und Repräsentant*innen aus Wirtschaft, Kultur und Politik binden. Sowohl in
der Museums- wie in der Vereinslandschaft sind die Museumsstiftung Post und Telekommunikation
(MSPT) und die Deutsche Gesellschaft für Post und Telekommunikationsgeschichte
e.V. (DGPT) dennoch etwas Besonderes.
Die Leserinnen und Leser des ARCHIVs finden in jeder Ausgabe Berichte und Informationen
zu Projekten aus den Museen für Kommunikation in Berlin, Frankfurt und Nürnberg oder dem
Archiv für Philatelie in Bonn. Sie bezeugen die enge Partnerschaft von MSPT und DGPT, die
umgekehrt dadurch belegt ist, dass DAS ARCHIV, das in jedem der Museen zum Verkauf steht,
oft als begleitende Publikation für aktuelle Ausstellungen fungiert und viele Schätze der
umfangreichen Sammlungsdepots zu Tage fördert. Solches Miteinander erzeugt viele Synergien,
Museen und Verein ergänzen sich in vielerlei Hinsicht. Diese heutige Form der Zusammenarbeit
war nicht gegeben, sie ist vielmehr das Ergebnis einer längeren Entwicklung.
Gemeinsame Ziele und Zäsuren
Die DGPT und Museumsstiftung mit ihren früheren Postmuseen haben unterschiedliche
Ursprünge: der Verein in einem 1921 gegründeten bayerischen Vorläufer, die Kommunikationsmuseen
in Heinrich von Stephans „Plan und Modellkammer“ von 1872, aus der später das
Reichspostmuseum (1898) hervorging. Getrennt voneinander gegründet und entwickelt, haben
sie nichtsdestotrotz sehr viele Gemeinsamkeiten: Vor allem eint sie das Ziel, die Geschichte von
Post und Telekommunikation, des Nachrichtenwesens oder noch übergreifender der Kommunikation
zu erforschen und zu vermitteln. Und gemeinsam ist beiden, dass die Privatisierung und
Postreform 1995 eine entscheidende Zäsur bedeutete: Von da an mussten die Museen wie die
Gesellschaft grundlegend neu verfasst werden. Sie taten das als gemeinnützige Stiftung beziehungsweise
als Verein − immer noch mit vielen Verbindungen zu den Firmen wie zum Bund –
aber eigenständig organisiert und mit dem sowohl im Stiftungsgesetz wie in der Vereinssatzung
bekundeten Willen für eine Zusammenarbeit, die eine neue, intensive Partnerschaft zwischen
MSPT und DGPT begründete.
Neuausrichtungen in der Selbständigkeit
Vor 1995 hatte die Verbindung zwischen beiden Institutionen einen anderen Charakter: Die Postmuseen
waren unmittelbar dem Bundesministerium für Post und Telekommunikation zugehörig,
die Deutsche Gesellschaft für Postgeschichte engstens mit der Deutschen Bundespost verbunden:
Mit dem Eintritt in den Postdienst war für Mitarbeitende die Eröffnung eines Postscheckkontos
meist ebenso obligatorisch wie der Eintritt in den Geschichtsverein. In aller Regel überreichten
die Vorgesetzten mit Einstellung zugleich die Anmeldeformulare und warben für die Mitgliedschaft.
Dank solcher Akquise und des geringen Beitrags waren die Mitgliederzahlen enorm, und
es bildete sich eine stark regionale Aufteilung in insgesamt 22 sogenannte Bezirksgruppen
heraus. Heute finanziert sich die DGPT allein durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Leistungen,
die sie für andere erbringt. Trotz altersbedingten Rückgängen hat sie noch immer mehrere tausend
Mitglieder in sechs Regionen − für einen Geschichtsverein eine beachtliche Größe.
Die Wandlung der ehemaligen Postmuseen ist nicht minder tiefgreifend. Aus Schausammlungen,
die eng der Geschichte der Institution und deren Betrieb verhaftet waren, entstanden moderne
Museen, die sich sowohl hinsichtlich der Zielgruppen wie der Themen breiter und aktueller aufstellten.
Heute erreichen die Häuser in der Stiftung zusammen über 350.000 Besucherinnen und
Besucher und widmen sich der Technik-, Kunst- und Kulturgeschichte von Medien und Kommunikation.
Dabei begreifen sich die Häuser selbst als Orte des Dialogs, als außerschulische Lernorte
zur Vermittlung von Medienkompetenz und als Diskussionsforen für aktuelle Themen.
Diese moderne Ausrichtung ist auch im Sinne der Postnachfolgeunternehmen, den Aktiengesellschaften
Deutsche Post und Deutsche Telekom, die die Stiftung finanziell tragen.
Geschäftsstelle als Herzstück der Zusammenarbeit
Die beste Voraussetzung für die Auseinandersetzung mit Objekten, Grafik und mit den Fotobeständen ist die räumliche Anbindung der DGPT-Geschäftsstelle an das Sammlungsdepot Heusenstamm. Dadurch profitieren die Redaktion von DAS ARCHIV und die online-Redaktion der DGPT von der einzigartigen Fotosammlung, von Objekten und Exponaten und vor allem vom direkten Kontakt mit den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Sammlung.
Die Redaktion der Zeitschrift wird von dem Team Gesine Last und Katja Weber verantwortet, die Website von Regine Bleckmann betreut. In der Geschäftsstelle sind Birgit Schwickart und Jutta Geenen als stets hilfsbereite Ansprechpartnerinnen zu nennen für alle Belange der Mitglieder und der Zusammenarbeit mit den Museen.