Aufs Gleis gesetzt
Telefonieren im Zug anno 1926
Wer von den Mitreisenden dringend nach Hause zu sprechen hatte – und das hatten sie alle –, nannte dem Herrn mit dem Kopfhörer Amt und Nummer seines heimatlichen Anschlusses und nahm ebenfalls an dem Tisch Platz, das Mikrotelefon zur Hand. Nach kurzer Zeit hieß es: ‚Bitte sprechen‘, und das Gespräch konnte beginnen.
Und es war dringend; denn die Mitteilung, dass man in einem schnell fahrenden Zug saß und von dort aus ein ganz gewöhnliches Ferngespräch führte, musste Überraschung und Freude erregen. Es war ein besonderer Stolz, zu den Ersten zu gehören, die eine so neue und aufsehenerregende technische Errungenschaft kennenlernen und nutzen konnten.“
- Der Dienst muss jedem Fahrgast zugänglich sein und einfach zu bedienen – der Apparat soll wie ein gewöhnliches Telefon funktionieren, nicht wie ein Funkgerät.
- Die Verbindungsqualität soll der eines Ferngesprächs entsprechen. Gesprächsverbindungen sollen nicht nur nach Berlin und Hamburg, sondern zu jedem über Fernverbindungen erreichbaren Telefonanschluss möglich sein. Wünschenswert sind auch Gespräche von einem fahrenden Zug zu einem anderen.
- Mittelfristig sollen neben den klassischen Postdiensten – Telegramme, Bestellungen und Fernsprechen – auch damals neue Funk-Nachrichtendienste und Rundfunkprogramme im Zug empfangbar sein. Durch den Einbau von Kopfhöreranschlüssen in den Abteilen sollen Interessierte Wirtschafts- und Börsennachrichten oder Radio hören können, ohne andere Fahrgäste zu stören.
Die Bahn stellte den benötigten Raum im Zug zur Verfügung, erlaubte die Nutzung von Heizung und Elektrizität und gewährte dem Personal der Zugtelefonie AG freie Fahrt im Dienst.
Ein Werbeprospekt der Zugtelefonie AG von 1925 formulierte das neue Angebot so: „Niemand ist mehr gezwungen, während einer langen Eisenbahnfahrt untätig in seinem Abteil zu sitzen und kostbare Zeit ungenützt verstreichen zu lassen. Durch die Einrichtung der Zugtelefonie ist es jedem Reisenden möglich, Nachrichten im Zuge zu empfangen und aus dem Zuge heraus zu senden.“
Am 7. Januar 1926 war es dann so weit: Die Fahrt des Schnellzugs FD 23 um 7.22 Uhr von Altona Hauptbahnhof nach Berlin wird zur Geburtsstunde des ersten öffentlichen Mobilfunkdienstes in Deutschland. Das erste Telegramm aus dem fahrenden Zug ging an den Reichs- postminister – mit Dank für die bisherige Förderung und der Bitte um weitere Unterstützung.
