Zeitverteilung
Kirchenglocke, Funkuhr und eiserne Jungfrau
Die Uhrzeit taktet unser Leben – auf der Arbeit und in der Freizeit. Uhren sind allgegenwärtig, und wir erwarten, dass alle Uhren ziemlich genau dieselbe Uhrzeit anzeigen. Dass das keineswegs selbstverständlich ist, verdeutlicht Frank Gnegel anhand von Objekten aus dem Bestand der Museumsstiftung Post und Telekommunikation.
Ohne Anbindung an einen Signalgeber: Uhren aus Postdiensträumen in der Sammlung der MSPT in Heusenstamm
Dank überall verfügbarer Funkuhren, die vom Sender Mainflingen DCF77 synchronisiert werden, und dank Mobiltelefonen, die über das Netzwerkzeitprotokoll NTP der Telefonbetreiber die aktuelle Uhrzeit erhalten, trifft man im Alltag heute – anders als früher – kaum noch auf Uhren, die um einige Minuten, eine halbe Stunde oder gar noch länger vor- oder nachgehen. Das letzte Mal gab es in Deutschland im Jahr 2018 Anlass, sich an ungenauen Uhren zu stören: Uhren an Elektroherden oder Mikrowellen und manche Radiowecker gingen plötzlich einige Minuten am Tag nach. Diese billig konstruierten Uhren nutzten – anders als die ebenfalls preisgünstigen Quarzuhren – keinen eingebauten Taktgeber, sondern verwendeten die Frequenz des Wechselstromnetzes von 50 Hertz zur Taktung der angezeigten Uhrzeit. Als es ab Januar 2018 zu Lieferengpässen im europäischen Stromnetz kam, sank die Netzfrequenz über einen längeren Zeitraum unter 50 Hertz. Europaweit gingen daher Millionen von Uhren über Wochen hinweg bis zu fünf Minuten nach – lang genug, um einen Bus zu verpassen.
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