(Schon) immer erreichbar
Eine kurze Geschichte der Erreichbarkeit
Überall erreichbar zu sein – was einst aufgrund fehlender Infrastruktur und hoher Kosten als Zukunftsvision galt, ist heute Realität. Das Smartphone ist für die meisten Menschen ein unverzichtbarer Alltagsbegleiter geworden und vernetzt sie unabhängig von Ort und Zeit. Gleichzeitig nehmen die Bedenken zu, welche Auswirkungen die ständige Erreichbarkeit hat.
Erreichbarkeit ist kein neues Phänomen. „Es ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis […], jederzeit und überall seine Gedanken zu teilen oder in der Gesellschaft anderer präsent zu sein“, stellte der Medienwissenschaftler Imar de Vries 2005 fest. Historisch war Erreichbarkeit jedoch stets eingeschränkt. Schriftliche Kommunikation über Boten und später über die Post setzte Schreibfähigkeit voraus. Nachrichten benötigten Tage oder sogar Wochen, um ihr Ziel zu erreichen. Erst als das moderne Postsystem mit mehreren Zustellungen täglich sowie die elektrische Telegrafie die Kommunikation beschleunigten, erhöhte sich auch die Erreichbarkeit. Diese Entwicklung setzte jedoch eine umfangreiche institutionelle und technische Infrastruktur voraus. Ähnliches galt für das Telefon, das ab 1876 erstmals eine fernmündliche Erreichbarkeit ermöglichte. Hinzu kamen hohe Kosten für Briefe, Telegramme und Telefonanschlüsse, sodass Erreichbarkeit zwar grundsätzlich gewährleistet war, jedoch großen Teilen der Bevölkerung nicht offenstand. Auch spätere Technologien wie das Autotelefon – dessen Preis 1958 etwa dem eines Kleinwagens entsprach – oder die ersten tragbaren Mobiltelefone, die 1988 „nur noch“ rund 7 600 DM kosteten, blieben Luxusgüter und Statussymbole. Mit der Verbreitung des Handys Ende der 1990er-Jahre wurde mobile Erreichbarkeit für breite Bevölkerungsschichten erschwinglich und ermöglichte es Menschen in Deutschland, unabhängig von Ort und Zeit miteinander zu kommunizieren.
Netzausbau gewährleistet Erreichbarkeit
Auch das Mobilfunknetz selbst begrenzte die Erreichbarkeit zunächst. Im 1958 eingeführten A-Netz konnte das Telefonieren während der Fahrt problematisch sein: Die rund 170 Funkzellen hatten jeweils eigene Vorwahlen, sodass Verbindungen beim Wechsel der Zelle abbrachen. Im 1972 eingeführten B-Netz blieb dieses Problem bestehen. Das bedeutete, dass ein Autotelefon nur dann anzuwählen war, wenn der Aufenthaltsort und die richtige Vorwahl bekannt waren. Erst das 1985 eingeführte C-Netz ermöglichte durch eine einheitliche Vorwahl und automatisches „Hand-over“ eine ortsunabhängige Erreichbarkeit – allerdings nur innerhalb der Bundesrepublik.
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