Es macht einfach Spaß mit dem gelben Fahrrad

Ausgabe

DAS ARCHIV 01/2026

Autor: Wenke Wilhelm

Seiten: 24-25

Ein Zusteller erzählt aus seinem Postalltag

Wolfgang Sterr, Zeitzeuge, der aus dem Arbeitsalltag mit dem Postrad berichtete

Für die Kabinettausstellung „niemals radlos. Das Fahrrad bei der Post“ der Museen für Kommunikation  suchten wir Zeitzeuginnen und Zeitzeugen,  die aus ihrem Arbeitsalltag mit dem Postfahrrad  berichten. Wolfgang Sterr aus  Mühlheim am Main meldete sich bei uns. Seit  seiner Ausbildung im Jahr 1978 ist er im Landkreis  Offenbach als Postzusteller mit dem Fahrrad  unterwegs – fast fünf Jahrzehnte im Dienst,  bei Wind und Wetter. Mit ihm sprachen wir über  seinen Alltag im Postdienst, über Routinen und  tagtägliche Herausforderungen und seine ganz  persönlichen Erinnerungen.

DAS ARCHIV Lieber Herr Sterr, wie beginnt Ihr  Arbeitstag als Zusteller?

WOLFGANG STERR Unser Dienstbeginn ist um 7:15  Uhr, und wir bereiten den Zustellweg vor. In unsere  Zustellspinde wird die Post einsortiert. Dabei müssen  z. B. Nachsendeantrage und Postfachkunden beachtet  werden. Es wird alles verpackt, auch für die Ablagestellen,  weil ich nicht alles auf einmal mitnehmen kann.  Und zwischen 9 und 9.30 Uhr beginnt die Zustelltour  mit dem Fahrrad.

Wie weit ist Ihre tägliche Fahrradtour dann und  wie lange sind Sie draußen unterwegs?

Ich habe das selbst mal bei Google Maps nachgeschaut.  Aus eigenem Interesse, denn ich wusste es  selbst nicht. Ich komme auf gute zehn bis zwölf Kilometer  reine Fahrradtour. Ich habe das große Glück, dass  mein Zustellbezirk fast am ZSP (Zustellstutzpunkt)  beginnt. Aber es gibt Kollegen, die erst noch einen  Anfahrtsweg haben, bevor sie ihren ersten Brief zustellen,  und das können zwei bis drei Kilometer sein. Man  ist im Schnitt gute vier Stunden draußen unterwegs.  Andere Leute machen extra Radtouren, und ich habe  die jeden Tag.

Wie viele Sendungen bzw. wie viel Gewicht haben  Sie dabei auf Ihrem Fahrrad geladen?

Ich bin klassischer Briefzusteller mit Zeitungen,  Briefen, nachzuweisenden Sendungen wie Einschreiben  und Postzustellungsauftragen. Jetzt sind in letzter  Zeit noch die Kleinpakete und Warensendungen dazugekommen,  die mittlerweile auch schon einen großen  Prozentsatz in meiner Tätigkeit ausmachen. Nachgewogen  habe ich meine Zuladung noch nie, aber es sind  so um die 30 bis 40 Kilogramm, und ich muss meistens  zweimal nachladen, aber oft auch drei- bis viermal.

Wie funktioniert dieses System mit den Ablagestellen?

Sie haben sie bestimmt schon gesehen, gerade in  den Städten ist das sehr oft verbreitet: die grauen  Ablagekasten der Deutschen Post. Ich weiß, wo sie in  meinem Zustellbezirk sind, und kann sie nutzen. Ein  Fahrer bestückt diese Ablagestellen für mich. Ich  stelle morgens alles auf einem Wagen zusammen, der  Fahrer lädt es ein und fahrt es mir zu den Ablagestellen.  Welche davon ich nutze oder brauche, ob zwei  oder drei und welche genau, das entscheide ich und  gebe es vor.

(…)