Es macht einfach Spaß mit dem gelben Fahrrad
Ein Zusteller erzählt aus seinem Postalltag
Für die Kabinettausstellung „niemals radlos. Das Fahrrad bei der Post“ der Museen für Kommunikation suchten wir Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die aus ihrem Arbeitsalltag mit dem Postfahrrad berichten. Wolfgang Sterr aus Mühlheim am Main meldete sich bei uns. Seit seiner Ausbildung im Jahr 1978 ist er im Landkreis Offenbach als Postzusteller mit dem Fahrrad unterwegs – fast fünf Jahrzehnte im Dienst, bei Wind und Wetter. Mit ihm sprachen wir über seinen Alltag im Postdienst, über Routinen und tagtägliche Herausforderungen und seine ganz persönlichen Erinnerungen.
DAS ARCHIV Lieber Herr Sterr, wie beginnt Ihr Arbeitstag als Zusteller?
WOLFGANG STERR Unser Dienstbeginn ist um 7:15 Uhr, und wir bereiten den Zustellweg vor. In unsere Zustellspinde wird die Post einsortiert. Dabei müssen z. B. Nachsendeantrage und Postfachkunden beachtet werden. Es wird alles verpackt, auch für die Ablagestellen, weil ich nicht alles auf einmal mitnehmen kann. Und zwischen 9 und 9.30 Uhr beginnt die Zustelltour mit dem Fahrrad.
Wie weit ist Ihre tägliche Fahrradtour dann und wie lange sind Sie draußen unterwegs?
Ich habe das selbst mal bei Google Maps nachgeschaut. Aus eigenem Interesse, denn ich wusste es selbst nicht. Ich komme auf gute zehn bis zwölf Kilometer reine Fahrradtour. Ich habe das große Glück, dass mein Zustellbezirk fast am ZSP (Zustellstutzpunkt) beginnt. Aber es gibt Kollegen, die erst noch einen Anfahrtsweg haben, bevor sie ihren ersten Brief zustellen, und das können zwei bis drei Kilometer sein. Man ist im Schnitt gute vier Stunden draußen unterwegs. Andere Leute machen extra Radtouren, und ich habe die jeden Tag.
Wie viele Sendungen bzw. wie viel Gewicht haben Sie dabei auf Ihrem Fahrrad geladen?
Ich bin klassischer Briefzusteller mit Zeitungen, Briefen, nachzuweisenden Sendungen wie Einschreiben und Postzustellungsauftragen. Jetzt sind in letzter Zeit noch die Kleinpakete und Warensendungen dazugekommen, die mittlerweile auch schon einen großen Prozentsatz in meiner Tätigkeit ausmachen. Nachgewogen habe ich meine Zuladung noch nie, aber es sind so um die 30 bis 40 Kilogramm, und ich muss meistens zweimal nachladen, aber oft auch drei- bis viermal.
Wie funktioniert dieses System mit den Ablagestellen?
Sie haben sie bestimmt schon gesehen, gerade in den Städten ist das sehr oft verbreitet: die grauen Ablagekasten der Deutschen Post. Ich weiß, wo sie in meinem Zustellbezirk sind, und kann sie nutzen. Ein Fahrer bestückt diese Ablagestellen für mich. Ich stelle morgens alles auf einem Wagen zusammen, der Fahrer lädt es ein und fahrt es mir zu den Ablagestellen. Welche davon ich nutze oder brauche, ob zwei oder drei und welche genau, das entscheide ich und gebe es vor.
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