Was ist heute dran?
Zur Jubiläisierung von Geschichte
Jubiläen sind, allein schon quantitativ, unerschöpflich. Wer nach Themen sucht, wird schnell fündig: Bei Wikipedia das aktuelle Datum ohne Jahreszahl eingeben, schon verfügt man über viele Hundert historische Jubiläen. Sie markieren nationale oder internationale Aktions-, Feier- Ehren- und Gedenktage, besonders, wenn sich die Jahre runden: 10, 50 oder 100 Jahre, aber auch 25 oder 75 Jahre.
Plakate aus der Sammlung der MSPT zu Jahrestagen des Post- und Fernmeldewesens
Zurück in der Geschichte: Die Römer, so schreibt der Historiker Alexander Demandt, nannten ihre runden Gedenktage nicht iubilaeum. „Jubilare“, also „jauchzen, frohlocken“, war ohne Zeitbezug. „Dieser entstand erst durch den Gleichklang mit hebräisch jobel − Widderhorn, das zu hohen Festen ertönte.“ Viele weitere Festtage sind religiösen Ursprungs, so das Heilige Jahr der römisch-katholischen Kirche, das inzwischen alle 25 Jahre begangen wird und erstmals seit 1300 die Möglichkeit bietet, einen vollkommenen Ablass zu erlangen. „Die Nächstenliebe der Päpste“, so Demandt, „traf sich mit dem Geschäftsinteresse der Gastwirte, denn der Zustrom war beträchtlich.“ Das ist auch im aktuellen Jahr 2025 der Fall, auch wenn der geschwächte Papst Franziskus etliche Veranstaltungen ausfallen ließ. Nach seinem Tod am Ostermontag konzentrierte sich das Interesse bald auf den neuen Papst, der neue und jüngere Besuchergruppen anzieht.
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