1872 – 2022 * 150 Jahre Sammeln

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1872 – 2022 * 150 Jahre Sammeln

Von der Plan- und Modellkammer zu den Museen für Kommunikation

Ausgabe

DAS ARCHIV 3/2022

Autor: Helmut Gold

Seiten: 50 – 55

Die Anlage eines technisches Museums im Jahr 1872 war innovativ. Die heute bekannten Vertreter dieser Museumsgattung wie das Deutsche Museum München oder das Technische Museum Wien datieren erst ins beginnende 20. Jahrhundert. Viele weitere Gründungen erfolgen erst deutlich später in den 1980er- und -90er-Jahren, so das TECHNOSEUM in Mannheim, die Technikmuseen Sinsheim und Speyer, das Deutsche Technikmuseum Berlin oder das Museum Industriekultur Nürnberg. Das Reichspostmuseum gehörte zu den Pionieren in der Anlage technischer Sammlungen – wie vorher nur das Science Museum London oder das Museée des arts et métiers in Paris.

1972 schrieb Heinrich von Stephan seine Absicht zur Errichtung einer Plan- und Modellkammer nieder, 1874 wurden auf 78 Quadratmetern im Generalpostamt die ersten „Lehr- und Anschauungsmittel für Unterrichtszwecke“ aufgebaut, ab 1878 stand die Schausammlung allen Interessierten offen. Das Reichspostmuseum, als Erweiterungsbau des Reichspostamts neu entstanden, öffnete 1898 seine Pforten; zur Jahrhundertwende, am 17. März 2000, präsentierte sich das komplett sanierte und modernisierte Gebäude dem Publikum neu als Museum für Kommunikation

Nach der Teilung Deutschlands widmete sich eine Ausstellung im Postmuseum der DDR, eröffnet von Postminister Friedrich Burmeister im August 1958, dem „Aufbau des Sozialismus um Spiegel der Briefmarke“

Gerade für Deutschland, wo die industrielle Revolution im Vergleich zu England und Frankreich eher spät einsetzte, ist die frühe Gründung bemerkenswert. Initiiert wurde sie von einem Protagonisten, der in vielerlei Hinsicht Vorreiter war und der wichtige Weichenstellungen für die moderne Kommunikation und das Postwesen verantwortet hat: Heinrich von Stephan. 2022, 125 Jahre nach seinem Tod, dürfte der ehemalige Generalpostmeister vielen Zeitgenoss:innen kaum mehr ein Begriff sein, dabei begegnet man ihm häufig buchstäblich auf der Straße: kaum eine Stadt, die nicht eine Straße oder einen Platz nach ihm benannt hat. Meist sind sie zentral gelegen, und folgerichtig befand sich hier ein Postamt.