1986: 125 Jahre Philipp-Reis-Telefon

Ausgabe

Post- und Telekommunikationsgeschichte 1987/1

Autor: Wolfgang Mache

Seiten: 61-81

Aus Anlaß der 125. Wiederkehr der ersten öffentlichen Vorführung eines elektrischen Telefons durch den hessischen Physiklehrer Johann Philipp Reis am 26. Oktober 1861 in Frankfurt am Main, befaßte sich der Autor mit der Frage, inwieweit der Sprachphysiologe Alexander Graham Bell (1847-1922), dem das US-Patentamt 1876 ein allumfassendes Telefonpatent erteilt und ihm alle Erfindungsansprüche gesichert hatte, die 14 Jahre zurückliegende Erfindung von Philipp Reis kannte und nutzte. Der Autor recherchierte im Bellschen Nachlaß, geleitet von der Lehre eines namhaften Sozialphilosophen, wonach die kritische Prüfung der Technik-Geschichte zeigt, daß kaum eine Erfindung des 19. Jahrhunderts dieser oder jener Person allein gehört; denn auch Philipp Reis äußerte in seinem mündlichen Vermächtnis von 1873 in Friedrichsdorf seine feste Zuversicht, daß jemand seine begonnene Entwicklung fortsetzen und vollenden werde. Dies geschah bald darauf in der neuen Welt durch A.G. Bell in Boston. Von Reis über Bell zum späteren Telefon mit Kohlemikrophon: Eine Entwicklung in vielen Schritten.

Zu einer Zeit, als noch Postillione des Fürstenhauses Thurn und Taxis durch die Straßen kutschieren, hält ein junger Lehrer auf Einladung des Physikalischen Vereins der alten Reichsstadt Frankfurt am Main am Samstag, dem 26. Oktober 1861 um 19.00 Uhr im Erdgeschoß des Senckenberg-Museums einen sensationellen Vortrag mit dem Thema „Über Fortpflanzung musikalischer Töne auf beliebiger Entfernung durch Vermittlung des galvanischen Stromes“. Seine Niederschrift hierüber erschien im Jahresbericht 1860/61 des Physikalischen Vereins unter dem Titel „Über Telephonie durch den galvanischen Strom“ als wissenschaftliche Abhandlung. Vortragender ist der in der Barbarossastadt Gelnhausen bei Frankfurt am Main gebürtige siebenundzwanzigjährige Autodidakt Johann Philipp Reis, Lehrer für Physik und Chemie am Knabenpensionat in der Hugenottenstadt Friedrichsdorf bei Homburg v.d. Höhe.

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