„Das schwarze Schaf der Familie“
Die sprichwörtlichen Familienbande
Redensarten sind in allen Kulturen und Gefühlsnuancen zu finden, von Liebe, Anhänglichkeit, Wertschätzung, Ärger, Wut, Genervtheit bis hin zum Hass. Missgunst und Spott nicht zu vergessen. Sie alle stecken hinter dem rätselhaften Ausdruck von der „buckligen Verwandtschaft“. Die Sprichwortforschung geht davon aus, dass dahinter „bockelig“ aus dem Rotwelschen (Sammelbegriff für Dialekte gesellschaftlicher Randgruppen im Mittelalter) steht. Es heißt „gierig“, und man sagt es ja vor allem bei Familienfesten, wenn die Verwandtschaft des Ehepartners ins Haus steht. Im Laufe der Zeit wurde es auf „sich krumm und bucklig arbeiten“ bezogen, was die Familie des anderen als primitive Arbeiter abwertete. Das Rotwelsche bewirkte wohl auch den abwertenden Gebrauch des im Ursprung neutralen hebräisch-jiddischen Wortes „mischpacha/mischpoke“ für „Familie“. Längst hört man es im Deutschen ausschließlich ironisch, spöttisch, beleidigend in der Redensart von der „ganzen/ dahergelaufenen Mischpoche/Mischpoke“.
