Die Ausweisung des kaiserlichen Reichspostamtes Thal-Ehrenbreitstein nach Vallendar im Jahre 1799

Ausgabe

DAS ARCHIV 02/1973

Autor: Theo Winterscheid

Seiten: 171 – 179

Am 1. April 1842 hatte das auf dem rechten Rheinufer gelegene Städtchen Vallendar „auf Befehl des hohen General-Postamts“ eine Königlich-Preußische Postexpedition 2. Klasse erhalten. Bis zu diesem Tag hatten etwa seit Ende des 18. Jahrhunderts Boten des kurtrierischen Oberamts bzw. der Bürgermeisterei Vallendar den ein- und abgehenden Postverkehr der Bürgerschaft und der Verwaltungsbehörden über die Postämter in Koblenz und Ehrenbreitstein vermittelt. Zunächst geschah der Postaustausch beim Kaiserlichen Reichspostamt in Koblenz und sodann nach dessen Flucht am 23. Oktober 1794 auf das rechte Rheinufer in Thal-Ehrenbreitstein. Zeitweilig befand sich dieses Postamt jedoch auch in Vallendar.

Im Verlauf der Kriegshandlungen des Jahres 1799 (2. Koalitionskrieg) übergab die aus kurtrierischen, kurkölnischen und österreichischen Soldaten bestehende Besatzung unter ihrem Kommandanten Faber am 24./27. Januar 1799 die mächtige Festung Ehrenbreitstein den belagernden französischen Truppen, als die Hungersnot aufs äußerste gestiegen war. Aus aktenmäßig nicht mehr genau belegbaren Ursachen ließ der französische General en chef Dufour die am 14. Juli 1799 von Thal-Ehrenbreitstein über Nassau nach Nastätten, Bad Schwalbach, Wiesbaden und Frankfurt abgegangene tägliche Reitpost in Nassau durch zwei nachgesprengte Chamborau-Husaren des 3. Regiments anhalten und den Postillion nach Koblenz zu sich bringen. Der Nassauer Posthalter Goedecker, der gegen die gewaltsame Verhaftung protestierte, wäre hierbei von einem der beiden Husaren beinahe niedergeschlagen worden, wenn er nicht rechtzeitig ausgewichen wäre. In Koblenz nahm man dem Postillion das Felleisen, das Briefpakete aus Koblenz, Thal-Ehrenbreitsteib und Neuwid enthielt, ab. Eine Zivilkommission, die aus drei Hauptmitgliedern der Föderierten Partei bestand, eröffnete das Felleisen und alle hierin enthaltenden Briefe, ohne hierzu einen kaiserlichen Postbeamten aus Thal-Ehrenbreitstein hinzuzuziehen. Briefe mit verdächtigen oder anstößigem Inhalt hielten sie zurück, während sie die übrigen an das Postamt Thal-Ehrenbreitstein zurückgeben ließ.

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