Die Geldverhältnisse der deutschen Kolonien: Schutzgebiete mit Markwährung

Ausgabe

DAS ARCHIV 01/1976

Autor: Herbert Rittmann

Seiten: 105-111

Die Geschichte der deutschen Kolonien war kurz und finanziell wie politisch belastend. Sie erstreckte sich von 1884 bis zum Ersten Weltkrieg. Ihre Geldgeschichte gehört zu der des Deutschen Reiches nur am äußersten Rande, zumal in zwei von ihnen die vorgefundenen ausländischen Währungen beibehalten wurden (Schutzgebiet Deutsch-Ostafrika und Pachtgebiet Kiautschau) und in den übrigen Schutzgebieten die Reichswährung in ihrem Kern eingeführt wurde. In einer Darstellung der Geldgeschichte Deutschlands für Freunde der Postgeschichte sollten aber nähere Hinweise nicht fehlen, da die Verhältnisse doch nicht so einfach waren, wie man annehmen muß, wenn man nur die deutschen Kolonialbriefmarken und ihre Wertbezeichnungen betrachtet.

Selbst wenn man auf das europäische Münzwesen abhebt und das sogenannte Primitivgeld der Eingeborenen beiseite läßt, beginnt die Münzgeschichte dieser Gebiete keineswegs mit der Einführung der Markwährung kürzere oder längere Zeit nach der deutschen Besitzergreifung. Die Küsten Afrikas warem dem europäischen und amerikanischen Handel und der Schifffahrt seit langem bekannt, ebenso die Inselgruppen der Südsee, die hier in Betracht kommen. Sowohl im Hinterland der Guineaküste (also im Norden u.a. von Kamerum, Togo wie auch von Nigeria) als auch der ostafrikanischen Küste bis hinab nach Mosambik dominierte der arabische Handel lange, ehe die Europäer Einfluß gewannen. Erwähnt sei, daß das Sultanat Sansibar seinen Ursprung in der Herrscherdynastie von Maskat und Oman am Persischen Golf hatte. Über das Münzwesen der islamischen Dynastien, des Türkischen Reiches und seiner Schutzstaaten, das in den erwähnten Gegenden ausstrahlte, kann hier nicht berichtet werden, doch sei erwähnt, daß der Maria-Theresien-Taler, der im 19. und weit in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle spielte, erst von den europäischen Kolonialmächten verdrängt wurde. So hat es nach der deutschen Besitzergreifung jeweils Jahre gedauert, bis die fremden Münzen unterdrückt und die deutschen durchgesetzt waren; verschiedentlich ist es bis zum Ersten Weltkrieg überhaupt nicht gelungen.

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