Eine Kamera für Damen, Radfahrer und Touristen | Die Folding Pocket Kodak der Oberbürgermeistertochter Elsa Beck

Ausgabe

DAS ARCHIV 04/2023

Autorin: Anke Keller

Seiten: 72 – 75

Im Bestand des TECHNOSEUM Landesmuseum für Technik und Arbeit in mannheim befindet sich ein Fotoapparat aus der Zeit um 1900, dessen besondere Geschichte und technische Spezifika im Fokus dieses Beitrags stehen. Das Objekt gelangte 1986 – also noch vor Eröffnung des Landesmuseums im Jahr 1990 – in die Sammlung. Schenkungsgeber war Otto Hesse aus Mannheim.

Objektgeschichte

Die Kamera gehörte ursprünglich Otto Hesses Mutter, Elsa Hesse, geborene Beck (1881 – 1958), der Tochter des ehemaligen Mannheimer Oberbürgermeisters Otto Beck (1846 – 1908). Laut der musealen Begleitdokumentation war sie ein Geschenk des Politikers und Unternehmers Carl Reiß (1843 – 1914) zum „Tag der 1. Kommunion“. Tatsächlich war Elsa offenbar mit den Geschwistern Carl und Anna Reiß (1836 – 1915) befreundet, die später einen großen Teil ihres Vermögens für den Bau des heutigen Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim stifteten. Auf einen engeren Kontakt deutet eine Liste Elsa Becks hin, in der sie mit genauen Daten ihre Besuchs- oder Ausflugsziele sowie Begleitpersonen zwischen 1898 und 1907 aufführte. Der Name „Reiß“ erscheint auffallend oft, 1905/06 beispielsweise bei elf von insgesamt 77 Ausflügen, 1906/07 bei acht von 44 Ausflügen. Unter anderen reisten Elsa und die reiß-Geschwister 1907 gemeinsam ins italienische Bordighera, wie im von Otto Hesser verfassten Lebenslauf seiner Eltern zu lesen ist. Der Ausflug sollte zu einem denkwürdigen Ereignis für Elsa Beck werden. Denn der Kölner Beigeordnete Max Hesse, den sie kurz zuvor auf einer Oberbürgermeistertagung in Köln kennengelernt hatte, fuhr ihr nach und machte ihr in einer Droschke einen Heiratsantrag. Geheiratet wurde 1907.

 

(…)