Familienbande zwischen den Kulturen
Interview von Gesine Last mit Frank Joung
Ausgabe
DAS ARCHIV 03/2026
Seiten: 16-12
Frank Joung ist Journalist, Moderator und Podcaster mit koreanischen Wurzeln. 2016 startete er seinen Podcast Halbe Katoffl, der bereits für mehrere Preise nominiert war, unter anderem den Deutschen Podcast Preis und den Grimme Online Award. 2025 wurde ihm der CIVIS Medienpreis verliehen
Lieber Frank, dein Podcast heißt Halbe Katoffl.
Wer ist eine halbe Katoffl?
Halbe Katoffln sind Deutsche mit nichtdeutschen Wurzeln. Ich bin hier geboren, meine Eltern kommen aus Korea. Meine Gäste im Podcast haben unterschiedliche Hintergründe: Manche sind adoptiert, andere vereinen zwei, drei oder vier Kulturen in sich. Lange kamen wir medial kaum vor. Deshalb erzähle ich seit 2016 unsere Geschichten.
Erzähl uns etwas über deine Wurzeln.
Meine Eltern kamen unabhängig voneinander nach Deutschland und lernten sich hier kennen – wie im Koreanischen oft üblich, verkuppelt durch Freunde. Ich bin in Hannover geboren, lebe heute mit meiner Familie in Berlin und habe Verwandte in Seoul.
Bist du zweisprachig aufgewachsen?
Ich bin zunächst mit Koreanisch aufgewachsen. Ab dem Kindergarten hieß es: „Der muss Deutsch lernen.“ Vor über 40 Jahren war Zweisprachigkeit kaum ein Thema. Meine Eltern legten großen Wert auf Deutsch. Einmal pro Woche ging ich in die koreanische Schule, war dort aber immer der Schlechteste. Gerade lerne ich wieder Koreanisch, doch es bleibt ein wunder Punkt.
Was ist für dich ein gutes Gespräch?
Wenn sich mein Gegenüber wohlfühlt. Ohne Vertrauen funktioniert kein Gespräch. Mich interessieren Erfahrungen mehr als Meinungen. Ein gutes Gespräch ist eines, in dem alles Platz hat.
Du hast in zehn Jahren eine Community aufgebaut und inspiriert. Was hast du gelernt?
Manchmal sprechen wir über rassistische Erfahrungen und müssen anschließend lachen, weil vieles so absurd ist. Komik ist Tragik in Spiegelschrift. Der Podcast hat mich außerdem politisiert. Hinter persönlichen Geschichten stehen oft Strukturen und Systeme, die wir nicht länger unkommentiert hinnehmen dürfen.
(…)
Weiterlesen im Magazin für Kommunikation, DAS ARCHIV 03/2026
