Kunst und Postkarte | Zu einer Ausstellung im Altonaer Museum von Ende Juni bis Mitte September 1970
Am 1. Juli 1870 führte die Postverwaltung des Norddeutschen Bundes die uns im Postverkehr nicht mehr fortzudenkende Postkarte ein. Sie folgte damit nach einem knappen Jahr der österreichischen Postverwaltung, obwohl noch 1865 ein entsprechender, von Heinrich von Stephan vorgetragener Vorschlag auf Reserve und Nichtbeachtung gestoßen war. Der erste Verkaufstag in Berlin, der 25. Juni 1870, erbrachte dort bereits einen Absatz von 45 468 Stück, ein Zeichen für den allgemeinen Bedarf, dem diese Neuerung entgegenkam.
Das Altonaer Museum wird den 100. Jahrestag der erstmaligen Ausgabe von Postkarten in Deutschland zum Anlaß nehmen für seine diesjährige Sommerausstellung unter dem Titel „Kunst und Postkarte“. Sie schließt sich an zwei Postkarten-Sonderausstellungen an, die in den vergangenen Jahren unter sehr unterschiedlichen Aspekten zusammengestellt worden waren: 1962 wurden unter dem Titel „Bemalte Postkarten und Briefe deutscher Künstler“ mit über 500 Katalognummern originale, gemalte und gezeichnete, von den Künstlern selbst verschickte Kunstwerke gezeigt als sehr persönliche, unmittelbare Zeugnisse künstlerischen Schaffens. 1965, bezugnehmend auf den vor 100 Jahren bekanntgegebenen Vorschlag Stephans, waren mit über 100 Karten Geschichte und kulturgeschichtliche Bedeutung der Bildpostkarte mit ihrer geradezu grenzenlosen Themenfülle Ausstellungsgegenstand unter dem Titek „Die Bildpostkarte in Deutschland – Auch ein Spiegel der Kulturgeschichte“. Die für den Sommer 1970 vorbereitete Sonderausstellung wird in ihrem Umfang die vorangehenden noch übertreffen und sowohl originale gemalte wie gedruckte Postkarten zeigen. Wieder werden allerdings im wesentlichen Karten aus dem deutschen Sprachraum herangezogen werden. Anders als bei den ersten beiden Postkartenausstellungen kann das Museum diesmal aber auf Leihgaben fast ganz verzichten, befinden sich inzwischen doch rund 700 gemalte Postkarten und Briefe deutscher Künstler und rund 200 000 Bildpostkarten zu allen nur denkbaren Themen in seinem Besitz. Hinsichtlich der Bildpostkarten werden die für die Ausstellung wesentlichen Auswahlkriterien vor allem durch Folgendes bestimmt werden: Kunst auf Bildpostkarten spiegelt Kunstauffassung und Kunstverständnis breiter Bevölkerungsschichten, die Postkartenhersteller kannten sehr genau den Bedarf und produzierten danach. Dieses vorherrschende Verhältnis zur Kunst – sowohl der jeweiligen Gegenwart als auch der Vergangenheit – soll sichtbar gemacht werden. Dabei sind auch Fragen der Kunstpopularisierung anzusprechen. Ein weiterer Schwerpunkt wird der Frage nach der Dokumentation neuer, dem allgemeinen Publikum zumindest fremder Kunstströmungen auf Postkarten und ihrer Adaption durch die Käufer zukommen. Schließlich wird die Frage nach den Möglichkeiten bestimmter Kunstpropaganda durch Postkarten zu berücksichtigen sein.
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