Über das Fernmeldehochhaus an der Zeil

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Der Turmbau zu Frankfurt

Über das Fernmeldehochhaus an der Zeil

Ausgabe

DAS ARCHIV 4/2019

Autor: Joel Fischer

Seiten: 16-25

Im September 2004 begann der Abriss des Fernmeldehochhauses an der Zeil in Frankfurt. Zwischen 1951 und 1956 errichtet, gehörte es zu den ersten Hochhäusern der Stadt und trug maßgeblich zum sachlich-modernen Bild Frankfurts bei. Mitten in der Innenstadt – zwischen der großen Eschenheimer Straße, der Stiftstraße und der Zeil – stand der Pionierbau der neuen Frankfurter „City“: ein Wahrzeichen und darüber hinaus ein sichtbares Zentrum des nationalen und internationalen Nachrichtenverkehrs. Er stand da rund 50 Jahre lang, dann musste es einem Einkaufszentrum weichen.

Nach verheerenden Bombenangriffen auf Frankfurt am 18. und 23. März 1944 stand in der Frankfurter Innenstadt kaum mehr ein Stein auf dem anderen. Die Paulskirche war getroffen, das Goethe-Haus abgebrannt, und auch die Gebäude der Hauptpost an der Zeil waren den Bomben zum Opfer gefallen. „Wild durcheinander lagen Fernschreiber mit Ziegelsteinen, Relais unter Schmelzsinter, Zinkblechadressen unter Marmorbrocken, Straßenbahnreste unter Sandsteinsäulen“, so beschrieb ein Zeitgenosse das Ausmaß der Zerstörung. Die unterirdischen Kabel mit rund 10 000 Stromkreisen hatten den Angriff jedoch unbeschadet überstanden, sodass das Telegrafenamt und das Fernamt Ende 1945, wenngleich in notdürftig ausges tatteten Kellerräumen, den Nachrichtenverkehr wieder aufnehmen konnten. Im ersten Jahr verzeichnete das Telegrafenamt bereits 38 000 Telegramme, beim Fernamt wurden 350 000 Orts- und 23 000 Ferngespräche vermittelt. Bis 1949 stieg die Anzahl der Telegramme auf 780 000, die der Ortsgespräche auf 5,7 Millionen und die der Ferngespräche auf 1,3 Millionen. Ein Neubau war dringend notwendig. 

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