Cover vom Magazin für Kommunikation, DAS ARCHIV 3-2026 mit dem Thema Familienbande

DAS ACHRIV 3/2026

Autor: Heinrike Paulus

Seiten: 22-23

Kommunikationsangebote für Menschen, die sich einsam fühlen

Wenn Einsamkeit sich wie ein bleiernes Tuch über einen legt und niemand zum Reden da ist, gibt es dennoch Anlaufstellen, die ein offenes Ohr haben – für jede Altersgruppe und oft rund um die Uhr. Einsamkeit ist in allen Generationen präsent. Es gibt ältere Menschen, die tagelang mit niemandem sprechen. Und es gibt 17-Jährige mit Tausenden Kontakten in Sozialen Netzwerken, die nicht wissen, wem sie sich mit sehr persönlichen Themen anvertrauen können.

Die TelefonSeelsorge Berlin wurde 1956 als erste ihrer Art in Deutschland gegründet. Einsamkeit ist bei fast einem Drittel der Anrufenden der Grund, die deutschlandweit einheitlichen und kostenfreien Rufnummern der TelefonSeelsorge zu wählen. Rund um die Uhr sind Ehrenamtliche dort zu erreichen. „Einsamkeit hat viele Facetten“, so die fachliche Leiterin und stellvertretende Geschäftsführerin Bettina Schwab. Das könne der 80-jährige verwitwete Senior im Pflegeheim sein oder die junge Mutter, die tagsüber mit einem Neugeborenen allein zu Hause ist. „Trotz Beziehungsgefügen wie Familie oder Freundeskreis fühlen sich Menschen mitunter einsam.“ Einsamkeit sei nicht mit Alleinsein zu verwechseln. Menschen können allein sein und sich dennoch nicht einsam fühlen. Oder am Tag von Hunderten Menschen umgeben sein und sich inmitten einer Gruppe einsam fühlen. Gerade bei Anruferinnen und Anrufern im Seniorenalter seien laut Bettina Schwab „Vergewisserungsanrufe“ zu beobachten. Diese Gespräche dauern häufig nicht länger als zehn bis fünfzehn Minuten. „Die anrufende Person hat einfach einmal wieder ihre eigene Stimme gehört. Gleichzeitig weiß sie, es gibt jemanden, der darüber informiert ist, was am Tag so geschehen ist.“

Egal welcher Kummer oder welche Krise, zahlreiche Ehrenamtliche leihen Menschen bundesweit bei der TelefonSeelsorge ihr Ohr. In Berlin sind es über hundert. „Wir hören wertfrei und vorurteilsfrei zu.“ Für die Anrufenden sei das ein Geschenk. „Es darf sein, was da ist, und das darf auch einmal nicht gut sein.“ Die Situation werde für die sprechende Person erträglich, weil sie diese mit einem anderen Menschen und keiner Maschine teilen könne. „Sie wird nicht gedrängt, dass ihre Gefühle verschwinden müssen.“ Durch die vielen Anrufe bekommen die Ehrenamtlichen alle erdenklichen Sorgen, Konflikte und Befürchtungen mit, die es in unserer Gesellschaft gibt.

Bettina Schwab vergleicht dies mit einem Seismografen. Wenn bedrückende Gedanken im Kopf kreisen, das Leben sei zu schwer, um weiterzuleben, soll die Online- Plattform Mutpost des Werner-Felber-Instituts für Suizidprävention in Dresden im wahrsten Sinne des Wortes Mut machen. Ziel ist es hier, dem Gefühl der Ausweglosigkeit etwas entgegensetzen.

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Ansprechpartner

TelefonSeelsorge

Telefon 0800 1110 111, 0800 1110 222 oder 116 123

sowie Chat und E-Mail

telefonseelsorge.de

Mutpost & Reasons to stay

mutpost.de und reasonstostay.org

Schreiben statt Schweigen

Das Angebot „Schreiben statt Schweigen“ ist montags bis donnerstags von 18 bis 20 Uhr erreichbar:

schreibenstattschweigen.de

Plaudernetz der Malteser

Ein kostenloses Angebot in Kooperation mit der Telekom, um neue Menschen kennenzulernen und sich zu unterhalten. Für Menschen ab 18 Jahren, die den Wunsch nach einem anonymen Gespräch haben.

plaudernetz.malteser.de

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