Intergenerationale Familienbeziehungen im Fokus der Forschung
Dieser Artikel behandelt Familie
und ihre intergenerationalen
Beziehungen im Wandel der Zeit.
Im Mittelpunkt steht die Frage,
was Familie in der Spätmoderne
ausmacht.

Intergenerationale Familienbeziehungen im Fokus der Forschung
In jeder Generation teilt und setzt sich Familie neu zusammen (Bertraux & Bertaux-Wiame 1991). Sie bildet ein dynamisches, sich aus komplementären persönlichen Beziehungen zusammensetzendes komplexes Netzwerk, das die eigensinnigen Beziehungen zwischen Eltern und Kindern ordnet. Zudem übersetzt es Geschlechterdynamiken und Rollenbilder in Generationenverhältnisse und schafft Gelegenheiten und Räume für Austausch zwischen den Generationen (Hank, 2015).
In der Forschung zu Familie und Generationenbeziehungen werden Abfolgen von Familiengenerationen untersucht, die immer auch durch demografische und wohlfahrtsstaatliche Entwicklungen gekennzeichnet sind. Thematisiert werden unter anderem das Zusammenleben, die Lebenslagen und Lebensbedingungen von Alten und Jungen, die Weitergabe von implizitem Wissen und Werten sowie Erbschaften. Aber auch die Auseinandersetzung mit Spannungen und Krisen, die die Relevanz der Familie für Individuum und Gesellschaft, spielen in der Forschung eine Rolle. Im Mittelpunkt steht die Familie als Beziehungs- und Lebensform, durch die gesellschaftliche Anforderungen und Individualisierungszumutungen, also die Anforderungen an Individuen, ihr Leben sowie ihre Familienbeziehungen eigenständig zu gestalten und zu verantworten, artikuliert werden.
Familie und Generationenbeziehungen im Wandel der Zeit
Mit Blick auf die Geschichte der Familie und Generationenbeziehungen wird deutlich, dass die Familie Lebenszusammenhänge immer wieder neu justiert (Schierbaum, 2022). Sie ordnet sich beispielsweise durch „tektonische Verschiebungen“ sowie Generationenverhältnisse und sichert die Tragfähigkeit intergenerationaler Beziehungen. Mit „tektonischen Verschiebungen“ sind tiefgreifende Veränderungen familialer Strukturen gemeint, die sich etwa darin zeigen, dass neue Familienformen entstehen, zugleich aber weiterhin an der normativen Orientierung an der Kernfamilie festgehalten wird (Funck, 2023)
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Dr. Anja Schierbaum
ist Erziehungswissenschaftlerin und Akademische Rätin a. Z. an der Universität Erfurt. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Familien-, Jugend- und Generationenforschung, der Kinder- und Jugendhilfe sowie der qualitativen Sozialforschung.
