
DAS ACHRIV 3/2026
Autor: Tine Nowak, Marina Schilke, Denise Neumann
Seiten: 8-
Kommunikation, Zugehörigkeit und neue Rollenbilder

Wer gehört zu meiner Familie? Die Frage wirkt zunächst einfach, doch je länger man darüber nachdenkt, desto schwerer fällt eine eindeutige Antwort.
Sind es die Menschen, mit denen wir verwandt sind? Diejenigen, mit denen wir zusammenleben? Oder jene, die uns im Leben begleiten, Verantwortung übernehmen und für uns da sind?
Familienbande.
How to Family
Oktober 2026 bis 27. Februar 2028
Wie funktionieren Familien heute? Die Ausstellung „Familienbande“ im Museum für Kommunikation Frankfurt lädt ein, die Vielfalt von Familien und die Entwicklung von Familienkommunikation
interaktiv zu entdecken.
www.museumsstiftung.de/familienbande
Familie erscheint oft selbstverständlich. Doch wer genauer hinschaut, erkennt:
Kaum eine soziale Form hat sich im Laufe der Geschichte so stark verändert. Was als Familie gilt, unterscheidet sich nicht nur zwischen Kulturen und Generationen, sondern wandelt sich auch mit gesellschaftlichen Entwicklungen. Besonders deutlich wird diese Dynamik heute: Patchwork-Familien, queere und transnationale Familien,
Mehrgenerationenhaushalte oder Wahlverwandtschaften erweitern klassische Familienbilder. Gleichzeitig verändern sich Lebensrealitäten grundlegend. Menschen ziehen für Ausbildung oder Arbeit in andere Städte oder Länder. Familien leben über Kontinente hinweg verteilt, und digitale Medien ermöglichen täglichen Kontakt
trotz großer räumlicher Distanz.
Was bedeutet „Doing Family?“
Klassische Vorstellungen der Kernfamilie stehen heute einer Vielzahl von Lebensformen gegenüber, die sich nicht eindeutig abgrenzen lassen. Für die Statistik entsteht daraus ein Spannungsfeld: Sie braucht klare Kategorien, während familiäre Beziehungen oft über Haushalte, Generationen und räumliche Grenzen hinausreichen. Forschende wie Anne-Kristin Kuhnt und Anja Steinbach betonen daher, dass es keine einheitliche Definition von Familie gibt. Zwar bleibt die Eltern-Kind-Beziehung zentral, doch biologische und soziale Elternschaft fallen zunehmend auseinander. Patchwork-, Pflege-, Adoptiv-, Regenbogen- oder Co-Parenting- Familien zeigen, dass Familie weit über biologische Verwandtschaft hinausgeht. Entscheidend ist zunehmend, wer dauerhaft Verantwortung übernimmt.
Hier setzt das Konzept von „Doing Family“ an, geprägt unter anderem von der Familiensoziologin Karin Jurczyk. In Anlehnung an „Doing Gender“ beschreibt es Familie nicht als Zustand, sondern als sozialen Prozess:
Nicht, was Familie ist, steht im Mittelpunkt, sondern wie sie entsteht. Im Zentrum steht dabei „Care“ – Fürsorge –
als alltägliche Praxis. Familie zeigt sich im Unterstützen, Organisieren, Zuhören, Begleiten und Verlässlich-Sein.
Familiäre Bindungen entstehen und bestehen nicht allein durch Abstammung, sondern vor allem durch gelebte
Beziehungen. Familienbande sind nicht selbstverständlich.
Die Forschung spricht von „Undoing Family“, wenn Beziehungen schwächer werden oder zerbrechen,
etwa durch Konflikte, Trennung oder Distanz. Von „Not Doing Family“ wird gesprochen, wenn familiäre Bezüge
bewusst in den Hintergrund treten oder keine zentrale Rolle mehr spielen, etwa in bestimmten institutionellen
Lebensformen wie Wohngruppen.
(…)
Weiterlesen im Magazin für Kommunikation, DAS ARCHiV, 3/2026
Tine Nowak ist Teamleiterin für Ausstellungen, Events und Recherche am Museum für Kommunikation Frankfurt, Projektleiterin sowie Teil des kuratorischen Teams der Ausstellung „Familienbande. How to Family“ .
Marina Schilke ist wissenschaftliche Projektmitarbeiterin und Kuratorin für das Ausstellungsprojekt „Familienbande. How to Family“ am Museum für Kommunikation Frankfurt.
Denise Neumann absolviert ein wissenschaftliches Volontariat am Museum für Kommunikation Frankfurt. Als Co-Kurator:in der Ausstellung „Familienbande. How to Family“ hat sich Denise insbesondere mit dem Konzept von „Doing Family“ auseinandergesetzt.