Radio relativ zu Raum und Zeit

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„Hier sitzt man gemeinsam und hört zu“

Radio relativ zu Raum und Zeit

Ausgabe

DAS ARCHIV 3/2020

Autor: Florian Schütz

Seiten: 8-15

Radio als strukturgebendes Element des Alltags überwindet Raum und Zeit – Albert Einsteins Rede zur Eröffnung der Großen Deutschen Funkausstellung 1930 mit der Begrüßung aller „An- und Abwesenden“ stellt dies aus beredtem Mund klar – und es hat auch die folgenden Epochen mit all ihren Krisen, Bedrohungen und technologischen Volten überstanden.

Radio Hören im Freien – mit tragbaren Transistorradios war es ein beliebtes Vergnügen in den 1970er-und 1980er-Jahren

Radio-Beschallung am Arbeitsplatz war in den 1920er-Jahren sicher noch nicht die Regel; in dem kleinen Friseursalon mit Rundfunk-Gerät nimmt der Trichterlautsprecher sehr viel Raum ein

Wer das Äußere zu strukturieren vermag, schafft auch im Inneren Ordnung. Struktur und Rituale geben den meisten Menschen Halt im immer komplexeren Alltag. Sie gleichen Ruhepolen, die uns den Raum zum Neudenken geben. Das Radio gehört zu den strukturierenden Elementen unseres Alltags, auch wenn es sich dabei um einen geräuschvollen „Ruhepol“ handelt. Es gestaltet Raum und Zeit, und es kann in diese Dimensionen ordnend eingreifen. Das lineare Radioprogramm, jenseits von Mediatheken, Podcasts und Streams zum Nachhören, bringt Struktur in den Tagesablauf. Aber auch der unbewusste Konsum, das Hören nebenbei, gliedert unsere Zeit. Laut Statistik hören die meisten Menschen immer zur gleichen Tages- und Nachtzeit „ihrem Radio“ zu, als Teil gelernter Abläufe, die vor allem ein vertrautes Gefühl und somit die Sicherheit, dass alles „normal“ sei, erzeugen. Andererseits übt das Radio als Gerät einen Einfluss auf die Gestaltung unserer Umwelt beziehungsweise der uns umgebenden Räume aus. 

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