Vom Halbleiter zum Chip

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Vom Halbleiter zum Chip

Wie ein unverstandenes Material zum Fundament der Gesellschaft avancierte

Ausgabe

DAS ARCHIV 4/2020

Autorin: Tina Kubot

Seiten: 24-29

Jeder nutzt sie, meistens ohne groß darüber nachzudenken: Halbleiter. Sie sind das Grundmaterial der Elektronik: jeder Chip, jede Leuchtdiode und jede Solarzelle, sie alle bestehen aus Halbleitern. So vielfältig und komplex wie ihr Anwendungsfeld sind auch ihre elektrischen Eigenschaften. Es bedurfte des Know-hows vieler Wissenschaftler und Ingenieure, bis das merkwürdige Material aus den Radiodetektoren als Computerchip die Welt erobern konnte.

Die Erfi ndung des Transistors machte kleine, leichte, mobile Radiogeräte mit langer Batterielaufzeit möglich. Heute basieren auch diese Geräte auf integrierten Schaltungen, sogenannten Chips

Auf dem Bild von 1952 inspizieren die Informatiker und Computer-Pioniere Jay Forrester und Norman H. Taylor die hochkomplexen Schaltkreise des Whirlwind-Computers. Mit der Entwicklung der Computertechnik der 1950er- und 1960er-Jahre umfassten die Schaltungen immer mehr Bauteile, was theoretisch die Leistung der Computer erhöhen sollte; praktisch aber war es schwierig, die elektrischen Leitungen herzustellen; das Problem wird als „Tyranny of Numbers“ bezeichnet

Ende des 19. Jahrhunderts wusste die Welt noch nichts von Elektronen. Atome galten als unteilbare Einheiten, die sich in jedem Element unterschieden. Der Aufbau der Materie war kein sonderlich populäres Feld der Wissenschaft, Experimente waren meistens eher Demonstrationen als zielgerichtete Versuchsreihen. Der Strom aus galvanischen Zellen oder Influenzmaschinen war nicht konstant. Eine elektrische Quelle wurde durch die elektromotorische Kraft charakterisiert, die aber keine Kraft im physikalischen Sinn war, sondern den Zusammenhang zwischen geleisteter chemischer Arbeit und der gelieferten Stromenergie beschrieb.

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