Werbung mit (Schuld-)Gefühlen
Vor 50 Jahren startete die Kampage „Ruf doch mal an …“
Werbung will verführen. Das geht am besten, wenn sich positive Gefühle mit einem Produkt verbinden – so sollte man meinen. Wer aber Handlungsdruck erzeugen will, setzt auf negative Emotionen, ob es um schädliche Klimafolgen beim Autofahren oder Gesundheitsrisiken beim Rauchen geht. Weniger drastisch, aber deutlich vorwurfsvoll waren ab den 1960ern Werbespots, in denen Hausfrauen ihre Wäsche nur sauber, nicht „porentief rein“ aus der Maschine zogen. Und es gab den drängenden Werbeslogan der Bundespost: „Ruf doch mal an!“
Die Kampagne „Ruf doch mal an“ startete 1975 und führte binnen weniger Jahre zum Erfolg: Fast alle Haushalte in Deutschland hatten Telefonanschluss – und bekamen Gesprächsanlässe mitgeliefert
„Ruf doch mal an – er wartet darauf!“, und „…Glückwünsche vergessen? – Ruf doch mal an“ sind nur zwei Beispiele einer Kampagne, mit der die Post in den 1980er-Jahren vor allem eines anstrebte: die Nutzung des Telefons bei denjenigen, die bereits einen Anschluss hatten, zu steigern. Zuständig für die Kampagne war die Agentur Lintas, die der Deutschen Bundespost damals helfen sollte, den Schuldenberg abzubauen, den der Ausbau des Fernmeldenetzes nach sich gezogen hatte.
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