Cover vom Magazin für Kommunikation, DAS ARCHIV 3-2026 mit dem Thema Familienbande

DAS ACHRIV 3/2026

Autor: Ann-Kathrin Rahlwes, unter Mitarbeit von Ellen Rinner

Seiten: 28-29

Spurensuche zu den Vorfahren

Heinrich Kratz mit seinen Arbeitskollegen
vor dem Postamt in Alsfeld, Hessen,
undatiert, 1933–1945
Heinrich Kratz mit seinen Arbeitskollegen
vor dem Postamt in Alsfeld, Hessen,
undatiert, 1933–1945

Alte Fotos, Briefe oder Dokumente sind oft der Anlass, sich mit der eigenen Familiengeschichte zu beschäftigen. Anlässlich der Wechselausstellung „Familienbande“ im Museum für Kommunikation Frankfurt (MfK) lädt dieser Artikel dazu ein, auf Spurensuche zu gehen. Wir zeigen am Beispiel des Postangestellten Heinrich Kratz, dessen Berufskarriere in der Sammlung des MfK dokumentiert ist, wie die Recherche gelingen kann.

Das Leben eines Postlers: Heinrich Kratz

Die Berufsbiografie von Heinrich Kratz (1899–1968) aus dem hessischen Ruppertenrod beginnt 1915, mitten im Ersten Weltkrieg: Der Sechzehnjährige machte eine Ausbildung im Telegraphenbau bei der Reichspost. Das Fernsprechnetz wurde damals für den Nachrichtenverkehr mit der Front ausgebaut. Nach seiner Gesellenprüfung im Elektrotechnikgewerbe 1925 blieb er bei der Post. Die Arbeit sicherte ihm in Zeiten kriegsbedingter Krisen und Inflation ein festes Einkommen. 1927 trat er der Deutschen Postgewerkschaft bei.

Doch mit der nationalsozialistischen „Machtübernahme“ 1933 kam die „Gleichschaltung“. Die Gewerkschaften wurden aufgelöst, Mitglieder in die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) gezwungen. Ein Foto zeigt, wie präsent das NS-Regime im Alltag war: Heinrich Kratz steht mit Kollegen und Kolleginnen vor dem Postamt in Alsfeld – über dem Eingang ein großes Hakenkreuz aus Tannenzweigen. 1939 wurde er zum Telegraphenleitungsaufseher befördert, verbeamtet und trat dem Reichsbund der Deutschen Beamten bei.

Eine Recherche im Hessischen Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden förderte seine Spruchkammerakte aus dem Jahr 1947 zutage. Nach Kriegsende 1945 wurden in den Spruchkammerverfahren in der US-amerikanischen Besatzungszone 3,6 Millionen Personen auf ihre Rolle und ihr Verhalten im Nationalsozialismus hin überprüft. Meistens waren diese Strafgerichte mit Laien besetzt.

Die Akte zu Heinrich Kratz liefert Informationen, die aus seiner Personalakte im MfK-Bestand nicht hervorgehen: So war er von 1934 bis 1939 Mitglied der SA (Sturmabteilung) Reserve I und einige Monate Führer einer sogenannten „Rotte“ von vier bis acht Männern – der kleinsten Teileinheit der SA. Zudem war er von 1934 bis 1945 Mitglied der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt e. V. (NSV), der zweitgrößten NS-Massenorganisation. Von 1939 bis 1945 war er NSV-Blockwalter.

(…)

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Spurensuche zu den eigenen Vorfahren im NS

  • Digitalisierte NSDAP-Mitgliederkartei: Recherchieren Sie im Online-Katalog des US-Nationalarchivs (NARA) oder online über DER SPIEGEL.
  • Militär & Wehrmacht: Anfragen zu Laufbahnen oder Kriegsgefangenschaften nimmt das Bundesarchiv in Berlin entgegen. Weitere Informationen finden sich auf der Website „Personenbezogene Unterlagen militärischer Herkunft“.
  • Opfer & Überlebende: Die Datenbank der Arolsen Archives bietet eine Online-Volltextsuche zu KZ-Haft, Ghettoisierung und Zwangsarbeit.
  • Justiz-, Gefängnis- & Entschädigungsakten: Unterlagen zu NS-Sondergerichten wie den Erbgesundheitsgerichten für „Rassenhygiene“ liegen in den Landesarchiven, ebenso die Akten zur Entschädigung von Opfern und Verfolgten des Nationalsozialismus (für Hessen im Hauptstaatsarchiv Wiesbaden).
  • Entnazifizierung: Spruchkammerakten recherchieren Sie online für Hessen über die Datenbank Arcinsys, für Bayern im virtuellen Lesesaal der Staatlichen Archive und für West-Berlin beim Landesarchiv Berlin. Für die sowjetische Besatzungszone und die DDR verwahrt das Bundesarchiv vergleichbare Ermittlungsakten in den Stasi-Beständen (sogenannte „Z-Signaturen“).
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