Cover vom Magazin für Kommunikation, DAS ARCHIV 3-2026 mit dem Thema Familienbande

DAS ACHRIV 3/2026

Autor: Dr. Annabelle Hornung

Seiten: 12-13

200 Jahre Familienkommunikation

Fotopostkarte mit Familie am Weihnachtsbaum, 1907
Fotopostkarte mit Familie am Weihnachtsbaum, 1907
Die Gartenlaube war eine im deutschen Sprachraum beliebte Familienzeitschrift. Sie war illustriert und erschien von 1853 bis 1944
Die Gartenlaube war eine im deutschen
Sprachraum beliebte Familienzeitschrift. Sie
war illustriert und erschien von 1853 bis 1944

Wer die Geschichte der eigenen Familie betrachtet, erkennt schnell, wie eng Medien mit dem Familienleben verbunden sind. Ob Briefe, Familienfotografien oder digitale Chats – sie schaffen und erhalten Zugehörigkeit und sind damit ein wesentlicher Bestandteil des „Doing Family“. Ein Blick auf die vergangenen 200 Jahre Familiengeschichte in Deutschland zeigt, wie eng familiäre Kommunikation mit dem Einzug von Technologien in den Familienalltag verknüpft ist.

Dass Briefe seit dem 18. und  19. Jahrhundert eine wichtige Rolle  spielten, ist hinlänglich bekannt.  Damals war Schreiben das soziale  Medium, ob in Freundschaften oder  in der Familienkommunikation.  Wer nicht schnell mal zu den Verwandten  rübergehen konnte, verschickte  Neuigkeiten und wichtige Ereignisse  in der Familie – sowohl Geburten,  Hochzeiten als auch Todesfälle  wurden „besprochen“. Da man oft  tage- beziehungsweise wochenlang auf  Antwort wartete, war Geduld gefragt. 

Die Briefkultur hielt familiäre  Angelegenheiten weitgehend im privaten Raum. Dies  änderte sich mit dem Einzug von Zeitschriften ab Mitte  des 19. Jahrhunderts: Massenhaft produzierte Familienzeitschriften prägten zunehmend  den Alltag vieler Familien. Eine der  berühmtesten Zeitschriften dieser Zeit  war in Deutschland Die Gartenlaube,  ein „Familien-Blatt“ mit über 300 000  gedruckten Exemplaren im Jahr 1875.  Hier wurden wichtige Fragen verhandelt  und zur gemeinsamen Familienlektüre  aufgerufen. Diese Zeitschriften  waren somit das erste Massenmedium,  und ihr Erfolg sollte noch bis zum Ersten Weltkrieg andauern. 

Zeitstrahl ab 1915-1930 für die Mediennutzung in der Famlie

Etwa zur selben Zeit, am Ende des 19. Jahrhunderts,  zog die neue Technologie der Fotografie in die Familie ein. Während gemalte Familienporträts nur bestimmten gesellschaftlichen  Schichten zugänglich waren, entwickelte  sich die Fotografie innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem  wichtigen Medium familiärer Selbstvergewisserung und  Repräsentation. 

(…)

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Dr. Annabelle Hornung ist Kunsthistorikerin und Germanistin.
Sie leitet das Museum für Kommunikation Frankfurt

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