
DAS ACHRIV 3/2026
Autor: Dr. Annabelle Hornung
Seiten: 12-13
200 Jahre Familienkommunikation


Sprachraum beliebte Familienzeitschrift. Sie
war illustriert und erschien von 1853 bis 1944
Wer die Geschichte der eigenen Familie betrachtet, erkennt schnell, wie eng Medien mit dem Familienleben verbunden sind. Ob Briefe, Familienfotografien oder digitale Chats – sie schaffen und erhalten Zugehörigkeit und sind damit ein wesentlicher Bestandteil des „Doing Family“. Ein Blick auf die vergangenen 200 Jahre Familiengeschichte in Deutschland zeigt, wie eng familiäre Kommunikation mit dem Einzug von Technologien in den Familienalltag verknüpft ist.
Dass Briefe seit dem 18. und 19. Jahrhundert eine wichtige Rolle spielten, ist hinlänglich bekannt. Damals war Schreiben das soziale Medium, ob in Freundschaften oder in der Familienkommunikation. Wer nicht schnell mal zu den Verwandten rübergehen konnte, verschickte Neuigkeiten und wichtige Ereignisse in der Familie – sowohl Geburten, Hochzeiten als auch Todesfälle wurden „besprochen“. Da man oft tage- beziehungsweise wochenlang auf Antwort wartete, war Geduld gefragt.
Die Briefkultur hielt familiäre Angelegenheiten weitgehend im privaten Raum. Dies änderte sich mit dem Einzug von Zeitschriften ab Mitte des 19. Jahrhunderts: Massenhaft produzierte Familienzeitschriften prägten zunehmend den Alltag vieler Familien. Eine der berühmtesten Zeitschriften dieser Zeit war in Deutschland Die Gartenlaube, ein „Familien-Blatt“ mit über 300 000 gedruckten Exemplaren im Jahr 1875. Hier wurden wichtige Fragen verhandelt und zur gemeinsamen Familienlektüre aufgerufen. Diese Zeitschriften waren somit das erste Massenmedium, und ihr Erfolg sollte noch bis zum Ersten Weltkrieg andauern.

Etwa zur selben Zeit, am Ende des 19. Jahrhunderts, zog die neue Technologie der Fotografie in die Familie ein. Während gemalte Familienporträts nur bestimmten gesellschaftlichen Schichten zugänglich waren, entwickelte sich die Fotografie innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem wichtigen Medium familiärer Selbstvergewisserung und Repräsentation.
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Weiterlesen im Magazin für Kommunikation, DAS ARCHiV, 3/2026
Dr. Annabelle Hornung ist Kunsthistorikerin und Germanistin.
Sie leitet das Museum für Kommunikation Frankfurt