„Mit der baldmöglichsten Fuhre zu übersenden“. Das Paket auf Bestellung

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Beschreibung

„Mit der baldmöglichsten Fuhre zu übersenden“

Das Paket auf Bestellung

Ausgabe

Das Archiv 1/2017

Autor: Margret Baumann

Seiten: 8-17

Neben Paketen, die Verwandte oder Freunde einander schicken – vor allem zum Geburtstag und anderen Festen, deren Datum vom Kalender bestimmt wird – gibt es auch solche, mit denen sich Menschen selbst beschenken. Schon etliche Jahrhunderte bevor der Begriff
„Versandhandel“ im deutschen Sprachgebrauch auftauchte, wurden hierzulande Pakete auf Bestellung geschnürt. Zu den frühen Handelswaren, die mit Kahn und Kutsche versandt wurden, zählten Bücher. Später kamen Werkzeuge, Blumenzwiebeln und Textilien hinzu – Güter, für die die Produzenten in näherem Umkreis nicht immer genug Kunden hatten, die sich aber leicht verschicken ließen und die sich durch längere Transportwege nicht erheblich verteuerten. Sie alle blieben über die Jahrhunderte wichtige Versandartikel und werden es wohl auch noch eine Weile bleiben.

Auch Wein wurde schon zu Zeiten der Römer über lange Strecken verschickt. Da er gut haltbar ist, pro Flasche einen relativ hohen Preis hat und in Deutschland aufgrund der klimatischen Bedingungen nur im Südwesten gedeiht, etablierte auch er sich hierzulande früh als Versandware. Georg FriedrichWilhelm Hegel etwa korrespondierte regelmäßig mit der Weinhandlung Gebrüder Ramann in Erfurt, zu deren Kunden auch Goethe gehörte. Hegel schreibt 1803: „Die Summe, die ich Ihnen mit einer neuen Bestellung zu überschicken bereit gelegt hatte, ist durch eine unvorgesehene Auslage so vermindert worden, daß ich auf eine andere Einnahme warte, um Ihnen einen grössern Belauff mit einemmal zu übermachen; und ersuche Sie mir wieder einen Eymer von dem Pontack, den ich das letzemal von Ihnen erhielt, mit der baldmöglichsten Fuhre zu übersenden; ich werde diese oder die nächste Woche Ihnen alsdann einen Saldo überschicken können.“ In einem anderen Brief moniert der Philosoph: „Sie werden das Geld für das Fäßchen erhalten haben; doch bitte ich Sie, mir ein wohlconditionierteres zu schicken; das letzte war oben anbrüchig, so daß einige Bouteillen ausgelaufen waren.“ Der Dichter Christoph Martin Wieland wiederum schreibt an dieselbe Adresse: „Der Benecarlo No. 3 ist wirklich ein trefflicherWein; er hat aber in der überschickten Probe einen Beygeschmack, als ob faule oder muffichte Beeren in zieml. Quantität mit unter die Kelter gekommen wären. Da ich diesen Geschmack nicht wohl leiden kann, so kann ich auch von dieser Sorte keine Bestellung machen.“

(…)

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