Ein Werbeinstrument der Deutschen Reichs- und Bundespost war über viele Jahre ein Jahresbildkalender, der auf unterhaltsame Weise Informationen darbot zu den verschiedenen Diensten der Post, illustriert durch Fotografien und Zeichnungen auf jeweils drei bis vier Tage betreffenden Kalenderblättern.

Der Stil und die Technik der grafischen Darstellungen variieren über die Jahrzehnte. Sie reichen von realistischen Tuschezeichnungen über farbig aquarellierte Motive bis zu abstrakt anmutenden Collagen, die sich ab Ende der 1950er-Jahre durchsetzen konnten.

Viele der Grafiker, die vom Ministerium zur Gestaltung meist mehrerer Kalenderblätter eingeladen wurden, gehören zur ersten Riege der deutschen Werbegrafiker – ihrem Berufsbild nach heute als Grafikdesigner bezeichnet. Sie haben Plakate gestaltet, Briefmarken, Verpackungen, Werbemittel und Schallplattencover, einige nur ein Blatt, andere viele im Reichs- oder Bundespostkalender.

Im Folgenden stellen wir Ihnen Künstler und ihre Arbeit vor.

Kalenderblatt 7/8/9 Juni 1959

Hans Gaensslen (Heidelberg 05.06.1900−02.06.1981 Überlingen)

Der Maler und Grafiker studierte 1920 bis 1923 Gebrauchsgrafik an der Badischen Landesbundkunstschule und war danach als Buch- und Steindrucker und Grafiker in Wien, München, Berlin, Heidelberg und Stuttgart tätig. In der schwäbischen Landeshauptstadt gründete er 1929 die „Arbeitsgemeinschaft Hohenhausen“, eine Agentur für Werbeberatung und Werbegraphik. Von 1952 bis 1965 lehrte Gaensslen an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe. Sein Werk umfasst Plakatentwürfe genauso wie Firmen- und Städtesignets, er entwarf außerdem Wandteppiche und malte Landschaften die, so der Autor René Gilbert im Stadtlexikon von Karlsruhe, eine „eigentümliche Atmosphäre“ ausstrahlen.

(Quelle: https://stadtlexikon.karlsruhe.de/index.php/De:Lexikon:bio-0409)

Günther Glückert (15.11.1930 − 11.11.1997) war ein renommierter Grafik-Designer, Amateur-Zauberkünstler und Autor. Etliche Jahre lang führte er ein eigenes Design-Atelier in Köln, seine Entwürfe von Plakaten und Anzeigen wurden international ausgezeichnet.

Kalenderblatt 18/19/20/21 März 1962

Kalenderblatt 4/5/6 Januar 1942

Walter Gotschke (Bennisch, Tschechien 14.10.1912−28.08.2000 Rangendingen) war ein deutscher Grafiker und Pressezeichner, der durch seine Automobil- und Grand Prix-Illustrationen weltweite Bekanntheit erlangte. Gotsche zeichnete von frühester Kindheit an, nach Tierzeichnungen bald die ersten Fahrzeuge, die er zu sehen bekam. In Brünn (Brno) studierte er Architektur, Hochbau und Ingenieurwissenschaften, 1931 entwarf er den Plakatwettbewerb für den ersten Masaryk Grand-Prix und war fortan als selbständiger Grafiker tätig. Mitte 1938 stellte ihn Daimler-Benz in Stuttgart ein, um ihn zwei Jahre später kriegsbedingt zu entlassen. In den folgenden Jahren tat er sich als Kriegszeichner hervor, erhielt Preise für seine Pressezeichnungen. Nach Kriegsende war er in Tirol, zeichnete Berge und Kühe und bewohnte ein Atelier im Stubaital, eher ihn Daimler-Benz 1949 wieder nach Stuttgart holte. Ab den 1950er-Jahren arbeitete er für zahlreiche Autofirmen und Autozeitschriften, erhielt Preise und internationale Anerkennung.

Von Harsdorf arbeitete nach dem Studium der Grafik an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart als selbstständiger Grafiker, gestaltete Bücher und Illustrationen. Ab 1961 hatte er an der heutigen Hochschule für Künste in Bremen einen Lehrstuhl für Verlagsgrafik inne. Als Lithograf, so zitiert der Weser-Kurier seine Galeristin, galt er europaweit als herausragend und genoss hohes Ansehen.

(Quelle: https://www.weser-kurier.de/region/die-norddeutsche_artikel,-Kleine-Retrospektive-aus-40-Jahren-_arid,1417570.html)

Jobst von Harsdorf (Wilhelmshaven 16.10.1924−07.11.2018 Bremen)

Kalenderblatt 14/15/16 September 1942

 

Kurt Hilscher (Dresden 15.05.1904 – 31.10.1980 Berlin) schuf von 1925 bis 1975 eine große Anzahl von Plakaten, Werbebeilagen, Anzeigen und Verpackungen. Er lebte vor dem Krieg einige Jahre in Paris, war dann während des Krieges zur Truppenbetreuung in Polen. Er zeichnete Plakate und Programmhefte für „durchziehende Theater- und Konzertgruppen“, so sein Sohn Jean-Claude Hilscher in seiner Dissertation. Ab 1942 lebte er in Krakau und Radebeuel und begann nach dem Krieg mit Werbegrafiken für die unterschiedlichsten Wirtschaftszweige. Zudem entwarf er Buch-Umschläge für mehrere Verlage und für die Reichspost neben Kalenderblättern Umschläge für Faltpläne der Kraftpost.

Kalenderblatt vom 10/11/12/13 Juni 1962 

Kalenderblatt vom 18/19/20/21 November 1962

Hugo Magnus (Herborn 1933−1987) studierte an der Staatlichen Werkakademie Kassel und arbeitete ab 1960 an als selbständiger Grafiker in Darmstadt und München. Er war Gastprofessor an der Ohio State University in Columbus und ab 1974 Professor an der Fachhochschule Darmstadt. Magnus wohnte in München, pendelte zwischen Bayern und Hessen und nutzte die Bahnfahrten, um Skizzen zu zeichnen. Anfang der 1980er-Jahre war er im Auftrag des Zeit-Magazins in Australien, um Reiseartikel zu bebildern, arbeitete außerdem für den Stern und die Zeitschrift Trans-Atlantic, entwarf Briefmarken und Plakate und zahlreiche Kalenderblätter für die Post.

(Quelle: https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/kultur/kunst-gebrauchsgrafiker-und-multitalent-1281690.html)

Kalenderblatt vom 16/17/18 November 1942

Kalenderblatt vom 23/24/25 Oktober 1942

Erich Meerwald (Lothringen 19.12.1895; 03.09.1973 Darmstadt) war ein deutscher Maler und Grafiker, der als „Senior der deutschen Filmplakate-Grafik“ gilt, denn schon in den 1920er-Jahren zeichnete er in Berlin für die Ufa, Tobis, Terra und für die Bavaria. Ab 1939 entwarf er Briefmarken und sonstige Drucksachen für die Deutsche Reichspost, darunter die Marken und Serien Automobilausstellung 1939, Tag der Briefmarke 1941, Blaues Band 1941, Großer Preis der Reichshauptstadt 1941, Serie Steiermark 1941, Europäischer Postkongress 1942, Tag der Briefmarke 1943, Volkssturm 1945 und auch die letzte verausgabte Marke der Deutschen Reichspost mit dem Motiv „SS-Mann“ – insgesamt 45 Marken. Außerdem stammen von ihm Titelseiten von Telegrammblättern.

Von 1954 bis 1961 war Meerwald Erster Vorsitzender des „Allgemeinen Postwertzeichen-Sammlervereins e. V.“ (APS) in Darmstadt und anschließend Ehrenvorsitzender. Zusammen mit seiner belgischen Ehefrau Alice Mahieu (1890–1973) bildete er ein anerkanntes Philatelistenpaar mit seltenen Ausstellungsexponaten.

(Quellen: Wikipedia und https://www.darmstadt-stadtlexikon.de/m/meerwald-erich.html)

Kalenderblatt 11/12/13 August 1955

Michel + Kieser (Grafikbüro 1953 bis 1963)

Hans Michel (14.08.1920 in Weimar – 07.06.1996 in Hamburg) und Günther Kieser (*24.03.1930 in Kronberg im Taunus) lernten sich während des Studiums an der Offenbacher Werkkunstschule (heute Hochschule für Gestaltung Offenbach am Main) kennen und gründeten eine Ateliergemeinschaft. Für die Deutsche Bundespost entwarfen sie viele Briefmarken, für den Hessischen Rundfunk in den Jahren ihrer Zusammenarbeit alle Broschüren. Ihre Plakate wurden vielfach ausgezeichnet. „Während Michels Arbeiten meist von der Verbindung der Fotografie mit dem Linolschnitt gezeichnet waren, brachte Kieser eher grafische Qualitäten, die sich der Zeichnung und der Collage verdankten, in die gemeinsamen Entwürfe ein“, heißt es bei Wikipedia. Michel wurde 1963 als Professor für Gebrauchsgrafik an die Hochschule für bildende Künste Hamburg berufen. Kieser entwarf über viele Jahre Plakate und Schallplattencover. Das Offenbacher Klingspor-Museum, das Museum für angewandte Kunst und sogar das Museum of Modern Art in New York zeigten seine Arbeiten.

Kalenderblatt / Zwischenblatt 1959

Robert Pudlich (Dortmund 25.01.1905 − 24.10.1962 Düsseldorf) war ein deutscher Grafiker, Maler, Illustrator und Bühnenbildner, seine freien Arbeiten sind geprägt vom Stil der Neuen Sachlichkeit. Pudlich studierte Mitte der 1920er-Jahre an der Kunstakademie Düsseldorf, bekam 1928 den Großen Kunstpreis der Stadt Düsseldorf und gehörte zum Umfeld der Händlerin Johanna Ey. 1936 noch beteiligt an der Ausstellung Westfront in Essen, wurden seine Arbeiten ein Jahr später als „entartet“ eingestuft. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwarf Pudlich Bühnenbilder für Gustav Gründgens in Düsseldorf und Hamburg und erhielt 1955 eine Professur an der Akademie in Düsseldorf.

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