Briefe aus Auschwitz

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Beschreibung

„Schreib mir doch immer gleich… ich brauche es nötiger wie das Brot“

Briefe aus Auschwitz

Ausgabe

Das Archiv 3/2012

Autorin: Monique Behr

Seiten: 80-83

„Vielleicht findest Du etwas, was Du für die Geburtstagsrede auf Deinen Vater verwenden kannst.“ Im Zuge der Vorbereitungen eines Familienfestes übergab mir meine Mutter eine Kiste. Sie war nicht sehr groß, und beim Abheben des Deckels erblickte ich einen Aktenordner und einen Packen Briefe. Aber für eine feierliche Rede schien mir das, was ich vorfand, auf den ersten Blick wenig geeignet.

Als ich mich dann später intensiv mit den Dokumenten befasste, erfuhr ich vieles, worüber in meiner Familie nie gesprochen worden war. Die Kiste enthielt die Hinterlassenschaften meines Großvaters Emil Behr, geboren 1900 in Leimersheim (Pfalz). Er war das mittlere von fünf Geschwistern einer angesehenen deutsch-jüdischen Familie, die in Karlsruhe herrschaftlich in der Beiertheimer Allee 26 residierte. Als junger Mann verliebte er sich in Hedwig Westermann, und das Paar bekam 1920 einen Sohn, Werner – meinen Vater. Die Verbindung wurde von beiden Familien nicht gerne gesehen – Hedwig entstammte einer katholisch-gläubigen Familie. Das Paar heiratete schließlich erst, als Werner bereits sieben Jahre alt war. Der Junge wurde von seiner Mutter katholisch erzogen, ging jedoch jeden Freitagabend mit seinem Vater zum „Schabbes“ in die Beiertheimer Allee – ohne Hedwig.

(…)

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