Briefträger – ein Beruf im Wandel

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Beschreibung

Unterwegs in Ginstergelb

Briefträger – ein Beruf im Wandel

Ausgabe

Das Archiv 3/2012

Autor: Jürgen Bräunlein

Seiten: 24-33

„Nicht nur Hunde können für unseren Berufsstand ein Problem sein“, verrät Wolfgang Giese-Miezal, Briefzusteller in Berlin-Schöneberg, und erzählt, wie er einmal Post durch den Briefschlitz einer Wohnungstür schob und seine Hand dabei von Katzenpfoten zerkratzt wurde. Der 55-Jährige ist einer der rund 86 000 Briefzusteller der Deutschen Post. Er beginnt seine Arbeit um 5.30 Uhr im Zustellstützpunkt 30 an der Geisbergstraße/Ecke Welserstraße. Die Post, die er austrägt, wurde vorher vom Briefzentrum in der Eresburgstraße im Bezirk Tempelhof vorsortiert und angeliefert. Wurden Anfang der 1990er-Jahre noch weniger als 25 Prozent der Briefe mit Maschinen sortiert, bearbeiten die 82 Briefzentren der Deutschen Post heute 90 Prozent aller Sendungen vollautomatisch. Mit bis zu drei Nachlieferungen aus dem Briefzentrum kann Giese-Miezal rechnen, gegen 8.30 Uhr ist dann Postverteilschluss, die Auslieferung kann beginnen.

Kurze Zeit später strömen sie aus, die Briefzusteller in ihrer gelb-blauen Unternehmenskleidung mit dem markanten Posthorn auf dem Rücken. Manche sind mit dem Auto unterwegs, andere auf Fahrrädern und wieder andere zu Fuß mit Schiebekarren. Egal welche Routen sie nehmen, Zickzackwege werden vermieden, Rundwege bevorzugt, Effizienz und Schnelligkeit sind wichtig und lassen sich auch kontrollieren. Nach einer komplizierten Formel wird der „Begehungsplan“ der Zusteller jedes Jahr aufs Neue am Computer berechnet. Die Zusteller zu Fuß bringen täglich bis zu 125 Kilogramm Post zu den Empfängern, bei den Kollegen mit dem Fahrrad sind es dank einer Spezialkonstruktion sogar bis zu 137 Kilogramm Papier. Selbst bei voller Beladung lässt sich ihr Gefährt am Vorderrad noch gut lenken, der außergewöhnlich stabile Fahrradständer hilft bei den vielen Zwischenstopps. Die zweirädrige Flotte der Deutschen Post in Berlin umfasst mittlerweile auch rund 600 „Bikes“, die über einen Elektromotor verfügen und alle paar Tage an die Steckdose müssen.

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