Beschreibung
Der digitale Osten
Das Erbe der DDR-Computerpioniere
„Computertechnologie aus der DDR“ – für manche Menschen klingt das wie ein einziger Widerspruch. Doch tatsächlich gab es auch in der DDR Mikroelektronik und Computer, wenn auch nicht in dem Umfang und der Qualität wie im Westen. Zudem stellte die Mangelwirtschaft der DDR Wissenschaftler, Ingenieure und Unternehmer vor besondere Herausforderungen. Nach der Wiedervereinigung waren die ostdeutschen Computer-Betriebe weder national noch international konkurrenzfähig und wurden reihenweise geschlossen. Doch das Wissen der gut ausgebildeten Fachkräfte und damit auch viel Potenzial vor Ort waren vorhanden, und so konnten sich in einigen Regionen wieder Betriebe der Mikroelektronik und Computertechnologie ansiedeln. Inzwischen führen ostdeutsche Hightech-Cluster wie die Firmen des sächsischen Branchenverbands „Silicon Saxony“ das Erbe der DDR-Computerpioniere fort. Aus dem ehemaligen DDR-Leitspruch „Auferstanden aus Ruinen“ wurde das neue Hightech-Motto „Auferstanden aus Platinen“.
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Zum Weltkommunikationsjahr 1983 verausgabte die DDR spezielle Briefmarken. Anfang März zur Frühjahrsmesse erschien die Marke mit dem Robotron-Mikrorechner
Tatsächlich blickt die ostdeutsche Mikroelektronik und Computertechnologie auf eine frühe Entwicklung von Weltniveau zurück. Bereits in den 1950er-Jahren entwickelte der Mathematik-Professor Nikolaus Joachim Lehmann die Idee eines individuellen Schreibtischrechners und baute an der TH/TU Dresden einen der weltweit ersten Transistor-Tischrechner; das war eine Pionierleistung in der Entwicklung des Personal Computers.
Ab 1967 wurde das Gerät in der Größe eines Röhrenfernsehers in einer Auflage von 3 000 Exemplaren industriell gefertigt. Doch das Interesse an dem Bürocomputer blieb in der DDR aus. Auch die politische Führung erkannte dessen Bedeutung nicht und kürzte in den Folgejahren die Investitionen im Computer- und Mikroelektronik-Bereich. So wurde 1971 das Budget des Computer produzierenden Kombinats Robotron von 400 Millionen Mark auf 200 Millionen halbiert. Erst später, mit den sogenannten Mikroelektronik-Beschlüssen von 1976 und vor allem den CAD/CAM-Beschlüssen von 1984 zur Fokussierung auf digitale Schlüsseltechnologien, kam es wieder zu einem Umdenken. Ab 1984 wurde dann die Digitalisierung in der DDR von der politischen Führung zum Prestigeprojekt und Staatsziel erklärt und stark vorangetrieben. Doch in den wenigen Jahren der drastischen Einsparungen hatte das Land den Anschluss an die rasante Computerentwicklung im Westen verloren.
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