Die Reichslautsprechersäulen in Breslau. Propaganda im öffentlichen Raum

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Beschreibung

Die Reichslautsprechersäulen in Breslau

Propaganda im öffentlichen Raum

 

Ausgabe

Das Archiv 3/2014

Autor: Volkhard Stern

Seiten: 60-63

„Im Jahr 1944 sind amerikanische Bomberverbände im Wesentlichen unbehelligt Richtung Breslau geflogen − ich habe sie selbst gesehen −, sind aber stets etwa 15 Kilometer vor Breslau abgedreht und haben Breslau nicht bombardiert. Die Breslauer glaubten schon, die Heilige Hedwig aus Trebnitz, die Schutzpatronin Schlesiens, schützt ihre Stadt“, schreibt ein Zeitzeuge im Internet über das vorletzte Kriegsjahr in der Stadt an der Oder. Sie sollte nur bis Oktober ’44 verschont bleiben, als mit den ersten russischen Fliegerangriffen Bomben die östlichen Stadtgebiete trafen. Im Frühjahr 1945 bis zur Kapitulation am 6. Mai wurde die zur Festung erklärte Stadt dann massiv zerstört. Umso erstaunlicher, dass einige besondere Konstruktionen das Inferno überstanden, ja sogar in wenigen Fällen bis heute im jetzt polnischen Wrocław erhalten geblieben sind, deren einstige Funktion sich dem zufälligen Betrachter nicht mehr erschließt.

In der Zeit des Nationalsozialismus war ein wesentliches Element der Politik die Perfektionierung der Volkspropaganda, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen und zu manipulieren. Auf praktisch allen Gebieten der gleichgeschalteten öffentlichen Berichterstattung, allen voran im Presse-, Rundfunk- und Filmsektor, trieb der seit 1933 amtierende Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Joseph Goebbels sein Konzept mit Erfolg voran. Zentrales Medium war der Rundfunk, den Goebbels kurzerhand als „seinem Wesen nach autoritär“ vereinnahmte. Der von der Deutschen Reichspost technisch betreute Reichsrundfunk war ein hochmodernes Medium, das über ein einfaches, billiges und seit 1933 in Großserie produziertes Radiogerät, den „Volksempfänger“, bereits 1939 über 10 Millionen Haushalte erreichte. Damit ließ sich die Einflussnahme dort fortsetzen, wo die Möglichkeiten von Parteiorganisationen und Großveranstaltungen endeten. Entsprechend wurde die Verbreitung des nur 35 Reichsmark teuren „Deutschen Kleinempfängers“, im Volksmund als „Goebbelsschnauze“ tituliert, gefördert.

(…)

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