„Ich sehe der weiteren Entwicklung mit Ruhe entgegen“. Der Fall des Postministers Anton Höfle

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„Ich sehe der weiteren Entwicklung mit Ruhe entgegen“

Der Fall des Postministers Anton Höfle

Ausgabe

DAS ARCHIV 3/2017

Autor: Christoph Albrecht-Heider

Seiten: 34-39

Als die Post- und Telegrafenbeamten in ihrem Verbandsorgan Deutsche Postzeitung am 16. Januar 1925 lesen: „Dr. Höfle scheidet im Unglück von der deutschen Reichspost“, können sie nicht ahnen, dass der Rücktritt des Reichspostministers nur der Beginn eines Dramas ist, und dass der 42 Jahre alte Anton Höfle nicht mehr lange leben wird. Anton Höfle, geboren am 19. Oktober 1882 im pfälzischen Otterbach, hat sich nach seiner Promotion in Volkswirtschaft vor allem den Belangen der Beamten gewidmet. Ab 1914 nimmt er leitende Positionen beim Deutschen Beamtenbund und beim Gesamtverband deutscher Beamtengewerkschaften ein. Seit 1920 Reichstagsabgeordneter des Zentrums – erst für den Wahlkreis Westfalen Nord, ab 1924 für den Wahlkreis Thüringen –, gilt der Katholik Höfle wegen seines gewerkschaftlichen Engagements als Mann, der politisch den Sozialdemokraten nahesteht.

Am 29. August 1923 beruft Reichskanzler Gustav Stresemann (Deutsche Volkspartei) Höfle als jüngsten Minister in sein Kabinett. Dort löst er als Postminister den Bayern Karl Stingl ab und übernimmt im November desselben Jahres – mittlerweile heißt der Kanzler Wilhelm Marx (Zentrum) – überdies das Ressort für die besetzten Gebiete, ist somit zuständig für die Menschen im Rheinland, das nach einem Streit zwischen Deutschland und den Siegermächten des Ersten Weltkriegs und dem folgenden Einmarsch französischer Truppen unter deren Verwaltung steht. Als Postminister verantwortet Höfle einen wichtigen Bedeutungswandel seiner Behörde, den der Historiker Martin Vogt so beschreibt: „die Herauslösung der Reichspost aus dem Reichshaushalt und der Übergang zum eigentlichen Staatsunternehmen Deutsche Reichspost“. Die Position des Postministers, fügt Vogt hinzu, wird in den frühen Jahren der Weimarer Republik „parlamentarisiert“. Beide historischen Prozesse der Postgeschichte werden eine Rolle spielen in der kurzen letzten Etappe der Lebensgeschichte Höfles.

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