Wolkenprojektion und Übertragungskorsett

Kommunikationsapparate von Science-Fiction-Autoren und anderen Visionären

Ausgabe

Das Archiv 2/2009

Autor: Bernd Flessner

Seiten: 90-97

Zu den faszinierenden Aspekten der Science-Fiction gehört deren prognostisches Potenzial, das unter anderem vermeintlich unrealisierbare technische Entwicklungen vorwegnimmt. Seit dem Beginn der Moderne und des technischen Zeitalters vor rund 150 Jahren entwerfen Schriftsteller Visionen möglicher oder zumindest denkbarer Zukunftsszenarien. Diese sind unter Umständen Anregung und Motivation für Wissenschaftler und Ingenieure. Getreu dem Motto des französischen Schriftstellers Jules Verne (1828 – 1905) „Alles, was ein Mensch sich vorstellen kann, werden andere Menschen verwirklichen können“, lassen sich Forscher von Science-Fiction-Literatur inspirieren. Ob Wernher von Braun, Stephen Hawking oder Michio Kaku – sie alle geben an, von der Science-Fiction auf die eine oder andere Art motiviert worden zu sein. Stephen Hawking hat sogar auf eigenen Wunsch hin in einer Folge der amerikanischenTV-Serie „StarTrek“ mitgewirkt. Umgekehrt orientieren sich die Autoren an den Entdeckungen und Theorien der Naturwissenschaftler, um technische Entwicklungen zu antizipieren, die bislang noch nicht realisierbar sind.
Wissenschaft und Science-Fiction sind Teil eines komplexen Wechselwirkungsprozesses und Zeichensystems, bei dem sich Autoren und Forscher gegenseitig die Bälle zuwerfen. Mehr oder weniger gemeinsam initiieren sie technische Fortschritte, Einfälle und Innovationen. Oft genug gehen dabei literarische Wortschöpfungen und Erfindungen an die konkrete Technik und ihre Verfahren über, etwa der „Countdown“, der aus dramaturgischen Gründen von Thea von Harbou und Fritz Lang für den Film „Frau im Mond“ (1929) erfunden wurde, oder der Begriff „Cyberspace“, der aus dem Roman „Neuromancer“ von William Ford Gibson stammt.

Viele Visionen der Science-Fiction-Literatur sind mittlerweile Realität geworden, allen voran natürlich die Raumfahrt, die zu einer Zeit vorhergesagt wurde, als renommierte Physiker noch der Überzeugung waren, der Mensch könne, wenn überhaupt, mit Ballonen und Luftschiffen fliegen, nicht aber mit Fluggeräten, die schwerer als Luft sind.

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