Ein Rückblick auf 50 Jahre Mobiltelefon in Deutschland

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Beschreibung

Mobiles Universum

Ein Rückblick auf 50 Jahre Mobiltelefon in Deutschland

Ausgabe

Das Archiv 4/2008

Autor: Bernd Flessner

Seiten: 6-13

Im Jahr 1908 wird der amerikanische Publizist Robert Sloss gebeten, für das Buch „Die Welt in 100 Jahren“ einen Beitrag über das Telefon zu schreiben. Sloss gibt seinem kurzen Text denTitel „Das drahtlose Jahrhundert“ und riskiert folgende Prognose: „Sobald die Erwartungen der Sachverständigen auf drahtlosem Gebiet erfüllt sein werden, wird jedermann sein eigenes Taschentelefon haben, durch welches er sich, mit wem er will, wird verbinden können, einerlei wo er auch ist, ob auf der See, ob in den Bergen, ob in seinem Zimmer, oder auf dem dahin sausenden Eisenbahnzuge, dem dahinfahrenden Schiffe, dem durch die Luft gleitenden Aeroplan, oder dem in derTiefe der See dahinfahrenden Unterseeboot.“

Die Experten schütteln die Köpfe über diese Vision eines technischen Laien. Schmunzelnd verweisen sie auf den amerikanischen Erfinder-Papst Thomas Edison, der plausibel erklärt, dass die Apparate für die drahtlose Telegrafie aufgrund ihrer Größe und ihres enormen Gewichtes nur auf Schiffen oder Eisenbahnen mobil einsetzbar seien. Das Taschentelefon sei ein Hirngespinst, versichert die Fachwelt, ein Luftschloss wie die Weltraumfahrt oder die Transplantation von Nieren und Lebern.

Lange Zeit scheinen die Experten Recht zu behalten. Bald zählen Funkgeräte zur Standardausrüstung von Schiffen, während ab 1918 Bahnunternehmen, darunter auch die Deutsche Reichsbahn, Funkgeräte für ihre Züge testen. In Deutschland können ab 1926 Reisende der 1. Klasse auf der Strecke von Hamburg nach Berlin erstmals den neuen Funktelefondienst der Bahn nutzen und vom Zug aus telefonieren. Auch nach dem Krieg wird zwar die Mobilität deutlich gesteigert, da nun auch Autos mit Funkanlagen ausgerüstet werden, doch die sind immer noch so groß, dass sie fast den gesamten Kofferraum in Anspruch nehmen. Ab 1950 bieten einige Städte Mobilfunkdienste an, die jedoch nicht für die Allgemeinheit gedacht sind, sondern nur für ausgewählte Politiker, Spitzenbeamte und Manager. Dazu gehören etwa der „Hafenfunk“ in Hamburg, Bremen und Kiel oder der „Fahrzeugfunk“ in Berlin (West). So bleibt es im Prinzip auch, als die regionalen Netze 1958 zum A-Netz zusammengeschlossen werden. Einige Ärzte nutzen nun das Autotelefon „Typ B 72“ der Süddeutschen Telefonapparate-, Kabel- und Drahtwerke AG in Nürnberg. Für den Normalbürger ist dieser Luxus unbezahlbar, denn der Apparat kostet rund 15 000 D-Mark, also gut das Dreifache eines VW-Käfers. Das Nachfolgemodell von 1969 kostet, der neuen Transistortechnik zumTrotz, noch immer 10 000 D-Mark. Und nach wie vor füllt die Sende- und Empfangstechnik den halben Kofferraum. Insgesamt verzeichnet die Post eine Teilnehmerzahl von rund 10 500 Personen, die freilich nur in Städten ungestört telefonieren können. Denn eine 100-prozentige Flächendeckung wird nie erreicht. In der Provinz lauern selbst 1977, als das A-Netz abgeschaltet wird, regelmäßig große Funklöcher. Nach jeder Unterbrechung müssen die handvermittelten Gespräche neu aufgebaut werden.

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