Emanzipation durch Kriegsarbeit? Frauenarbeit bei der Reichspost in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts

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Beschreibung

Emanzipation durch Kriegsarbeit?

Frauenarbeit bei der Reichspost in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts

Ausgabe

Das Archiv 1/2013

Autor: Thomas Jander

Seiten: 16-23

Auf den ersten Blick klingt die „Formel“ plausibel: Der Erste Weltkrieg sorgte auf dem Sektor der Frauenarbeit durch das massenhafte Einziehen der männlichen Arbeitskräfte für eine beispiellose Zunahme weiblicher Beschäftigung und wurde damit zum Schwungrad für die Emanzipation der Frauen. Dass diese Einschätzung so nicht zutrifft, hat Ute Daniel in ihrer Studie zu „Arbeiterfrauen in der Kriegsgesellschaft“ nachgewiesen. Weder war der Zuwachs weiblicher Arbeitskräfte exorbitant, noch wurden durch den Krieg massiv Frauen, die vorher nicht in Lohnarbeit standen, dazu gebracht, eine solche anzunehmen. Von 1914 bis 1918 stieg zwar die Zahl arbeitender Frauen von 3,5 auf 4,1 Millionen, doch diese Steigerung war geringer als die der Vorkriegsjahre.

Demgegenüber stieg die weibliche Belegschaft der  Kaiserliche Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung enorm. Standen im Juli 1914 ungefähr 35 700 Frauen im Dienst der Post, waren es im Juli 1918 mit 127 350 mehr als dreimal so viele. Indessen waren darunter, fast 87 000 sogenannter Kriegsaushelferinnen. Zunächst allerdings wurden, in den ersten Augustwochen 1914, viele Frauen bei der Post entlassen; doch bereits Anfang September sah man die Notwendigkeit, weibliche Hilfskräfte anzuheuern. Die zur Front einberufenen Beamten wurden erst von Telegraphengehilfinnen ersetzt, die ihrerseits wiederum durch Anwärterinnen ersetzt wurden. Schließlich stellte man aber wegen des immer größer werdenden Arbeitsanfalls massenhaft Kriegsaushelferinnen für den Post- und Fernsprechdienst ein und es schien, als zementierte der Krieg damit die prekäre Beschäftigungssituation des weiblichen Personals.

(…)

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