Holzgasbetrieb bei der Reichspost

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Beschreibung

„Wir fahren nur mit heimischen Treibstoffen“

Holzgasbetrieb bei der Reichspost

Ausgabe

DAS ARCHIV 1/2019

Autorin: Tina Kubot

Seiten: 20-27

Unmittelbar nach Kriegsende am 8. Mai 1945 begann ein Rechtsstreit zwischen der Hannoverschen Fahrzeugfabrik und der Oberpostdirektion Hannover. Corpus delicti waren nicht abgerufene Generatoren und Zubehörteile, die für eine zivile Verwendung wertlos waren, und nicht beglichene Forderungen. Geklärt werden konnte der Fall nicht. Die Deutsche Post verweigerte die Zahlung und der Streit zog sich bis zur Liquidation der Hannoverschen Fahrzeugfabrik in den 1950er-Jahren hin. 1954 gelangte die Akte mit vielerlei Informationen zur Umrüstung der Reichspostflotte auf Holzgasbetrieb in den Bestand des Frankfurter Museums. Tina Kubot hat die Unterlagen ausgewertet.

Zur Zeit des Nationalsozialismus sollten im Zuge der Autarkiebestrebungen der Machthaber unter anderem Treibstoffimporte reduziert werden. Einerseits durch das Erzeugen von Rohölprodukten aus Kohle, andererseits durch den Einsatz alternativer Technologien. Für Fahrzeugantriebe wurde neben der Elektrizität als heimischem Treibstoff insbesondere der Antrieb mit Gasgeneratoren massiv gefördert. In der „Denkschrift zum Vierjahresplan“ von 1936 heißt es unter Punkt I: „Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig sein.“ Zweitens solle die deutsche Wirtschaft „in vier Jahren kriegsfähig sein“, und drittens sei in diesem Sinne die deutsche Brennstoffversorgung in schnellstem Tempo voranzutreiben und binnen 18 Monaten zum restlosen Abschluss zu bringen. Gemeint war damit die Unabhängigkeit von Rohölimporten zur Erzeugung von Auto- und Flugbenzin. Die Mineralölautarkie, die alle Treib-, Kraft- und Schmierstoffe umfasste, sollte innerhalb von vier Jahren erreicht werden. Deutsche Rohöle, Benzol und Spiritus reichten dafür aber bei Weitem nicht aus. Der einzige Rohstoff, der in Deutschland in Masse zur Verfügung stand, war die Kohle aus den Braun- und Steinkohlerevieren. Dementsprechend lag die Hauptlast zum Erreichen dieser ambitionierten Ziele auf dem Ausbau der Hydrier- und Synthesewerke, in denen aus Kohle Treibstoff verschiedener Art gewonnen wurde.

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