Null eins, null zwei, null drei. Wie man geheime Botschaften auch mit Zahlen verschlüsselt

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Beschreibung

Null eins, null zwei, null drei

Wie man geheime Botschaften auch mit Zahlen verschlüsselt

Ausgabe

Das Archiv 3/2011

Autor: Klaus Beyrer

Seiten: 6-11

Am Beginn aller Verschlüsselungstechniken stand die Zahl. Mithilfe von Zahlen entstand aus einer sinnstiftenden Mitteilung ein vermeintlich sinnloses Zifferngebilde. Einzig sein autorisierter Empfänger sah sich in der Lage, es zu verstehen. Seit der Renaissance wurde ein Geheimtext als „Ziffer“ bezeichnet. Der Begriff „Ziffer“ hatte gleich eine doppelte Bedeutung. Er verkörperte die arabischen und römischen Zahlzeichen, daneben aber auch die Zahlen und Buchstaben einer Geheimschrift. „Geheime Briefe hat man ihm vertraut, / in Ziffern, für die Königin von Schottland“, heißt es in Friedrich Schillers Drama Maria Stuart. „Gezifferte Briefe“ erwähnt ein Dokument aus dem 17. Jahrhundert, „die niemand, als der sie empfangen sollte, lesen“ könne. Ein Geheimschriftexperte wurde „Zifferant“ genannt, und für die Kunst, eine Geheimschrift zu lesen, stand das Verb „entziffern“. Erst im Laufe der Zeit wurde aus dem Französischen das Fremdwort „Chiffre“ übernommen, das den älteren Begriff „Ziffer“ ablöste und sich in unserem Sprachgebrauch durchsetzte.

Mit der Praxis des Verschlüsselns waren die Menschen zu allen Zeiten vertraut. Sie verschlüsselten ihre Briefe, Mitteilungen und Depeschen, weil sie Geheimnisse voreinander hatten und fürchteten, ihre Nachricht könne unbefugten Dritten in die Hände fallen. Seit dem 15. und 16. Jahrhundert machten Kirche, Politik und Militär vom Austausch geheimer Botschaften regen Gebrauch und beschäftigten erfahrene Kryptografen. Es waren dies berühmte Gelehrte mit Rang und Namen, die bei den Mächtigen in hohem Ansehen standen. Der römischen Kurie diente Mitte des 15. Jahrhunderts als Verschlüsselungsexperte der italienische Humanist und Mathematiker Leon Battista Alberti, einer der großen Denker seiner Zeit. Auch der Begründer des modernen Postwesens, Maximilian I., schätzte die „Ziffernpost“. Sein Enkel, Karl V., verschickte, wie der Posthistoriker Martin Dallmeier ermittelt hat, einen erheblichen Teil seiner Korrespondenz „vollständig oder zumindest in den wichtigsten Passagen chiffriert“.

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